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„Barrierefreiheit“ war das zentrale Thema der öffentlichen Veranstaltung am 6. November 2013 in der Güterhalle in Bernkastel-Kues, zu der Landrat Gregor Eibes und der Beirat für Menschen mit Behinderungen eingeladen hatten. Fünfzig Bürgerinnen und Bürger waren aus ganz unterschiedlichen Intentionen der Einladung gefolgt und verfolgten interessiert die Vorträge. Ziel der Veranstaltung war es, über dieses in der UN-Behindertenrechtskonvention dokumentierte Grundrecht für Menschen mit Behinderungen zu informieren und zur Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung für das Thema bei den verantwortlichen Akteuren und in der Öffentlichkeit beizutragen.

Sowohl in den Grußworten des Vorsitzenden Artur Greis, des Landrats und des ersten Beigeordneten der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues Leo Wächter als auch in den anschließenden Fachreferaten des Landesbeauftragten für die Belange behinderter Menschen Matthias Rösch und des Architekten Michael Bohl wurde deutlich, dass das Thema „Barrierefreiheit“ ein übergreifendes Querschnittsthema für die gesamte Gesellschaft, für alle Lebensbereiche und nicht zuletzt für alle politischen Ebenen sei. Die entsprechenden gesetzlichen Grundlagen seien vorhanden, Aufgabe der Akteure vor Ort sei es, diese mit Leben zu füllen und Barrierefreiheit umzusetzen. Es handele sich um einen ständigen Prozess, der sich in der Entwicklung befinde und den es gelte, Schritt für Schritt entsprechend den Bedürfnissen der Menschen mit Behinderungen weiter zu bringen und so den öffentlichen Lebensraum barrierefrei zu gestalten. Es gehe dabei häufig auch um die Beseitigung der sogenannten „Barrieren im Kopf“. Laut Landrat Eibes müssten sowohl die Hardware – hierunter verstehe er die Herstellung der baulichen Barrierefreiheit – als auch die Software – damit sei das tägliche Miteinander aller Bürgerinnen und Bürger gemeint – funktionieren, um Inklusion zu erreichen und zu leben. Der Begriff „Barrierefreiheit“ könne aus Sicht des Landes – so Matthias Rösch – wie folgt definiert werden: Bauliche Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen sowie andere gestaltete Lebensbereiche sind barrierefrei, wenn sie für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich, nutzbar und auffindbar sind. Es wurden gelungene und auch finanzierbare Beispiele vorgestellt, die den Akteuren Mut machen sollen in ihren Bemühungen zur Umsetzung der Barrierefreiheit: Bei der im September 2013 durchgeführten Bundestagswahl seien nach einer Erhebung des Sozialverbands VdK 75 Prozent der Wahllokale barrierefrei gewesen. Es gebe auch positive Beispiele, die belegen, dass Denkmalschutz und Barrierefreiheit sich nicht gegenseitig ausschließen. Schwierigkeiten in der Umsetzung der Barrierefreiheit bestünden aufgrund der Gegebenheiten nach wie vor bei der Umsetzung von Barrierefreiheit im baulichen Bestand. Hier wird für die Zukunft ebenso wie in der Schaffung von barrierefreien Tourismusangeboten noch Handlungsbedarf gesehen. Architekt Bohl zeigte in seiner Präsentation an Hand von Beispielen, wie an Bestandswohnungen Barrierefreiheit – häufig auch nur durch kleinere und eher finanzierbare Veränderungen – hergestellt werden kann. Die Industrie widme sich verstärkt diesem Thema und bringe innovative Ideen zur Herstellung von Barrierefreiheit auf den Markt. Die Anforderungen an die Barrierefreiheit seien für öffentliche zugängliche Bauten höher als für private Bauvorhaben. Statistischen Angaben ist zum Beispiel zu entnehmen, dass bis zum Jahr 2020 der Bedarf an barrierefreiem Wohnraum mit Blick auf die demografische Entwicklung auf 2,5 Millionen geschätzt wird.

Im Anschluss an die Vorträge wurden Fragen der Zuhörer beantwortet. Abschließend dankte der Vorsitzende des Beirats für Menschen mit Behinderungen den Referenten für ihre anschaulichen Vorträge, den Gästen für ihre Teilnahme und aktive Beteiligung und der Stadt Bernkastel-Kues für die Bereitstellung der Güterhalle für die Veranstaltung. „Barrierefreiheit“ wird auch in Zukunft für den Beirat für Menschen mit Behinderungen ein Schwerpunktthema in seinen Sitzungen bilden.