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Stephan Rother, Jennifer Jaque-Rodney, Dr. med. Peter Locher (Foto: Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich)

Mit „Familienhebammen“ werden die bereits bestehenden Angebote für Familien im Landkreis Bernkastel-Wittlich im kommenden Jahr ergänzt. Damit es ein gelingender Start für das neue Angebot wird, organisierte die Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich am Donnerstag, dem 13.12.2012, die Auftaktveranstaltung „Familienhebammen und Jugendhilfe – gemeinsam für Familien“ in der Akademie Kues.

Die Familienhebammenbeauftragte des Landesverband der Hebammen NRW e.V., Jennifer Jaque-Rodney, umschrieb zunächst die Aufgaben und die Rolle einer Hebamme, die mit einer Zusatzqualifikation in Familien mit besonderen Lebenslagen und Unterstützungsbedarf tätig werden kann.

Ausgangslage für die Notwendigkeit des neuen Angebotes ist die gesellschaftliche Veränderung bei immer mehr jungen Müttern: Immer öfter suchen junge Eltern Orientierung, fühlen sich überfordert, sind teilweise alleinerziehend ohne weitere Ansprechpartner und haben zu wenige Kenntnisse, wie Babys gesund aufwachsen können.

Damit die Beziehung zum eigenen Kind in solchen Situationen dennoch gelingen kann, damit gute Grundlagen für ein gesundes Aufwachsen gelegt werden können, setzt hier das neue Angebot „Familienhebammen“ an. Als Lotsin im System der Familie oder „Teil“-familie, kann hier die Familienhebamme helfen, weitere Unterstützung anbieten und Anregungen zur Stärkung der Beziehungskompetenz in Familien geben.

Den Unterschied zwischen Hebammen und Familienhebammen erläuterte die Hebammenwissenschaftlerin und Soziologin Jennifer Jaque-Rodney: „Eine Hebamme arbeitet innerhalb der Regelleistungen der Krankenkassen. Sie wird über die Krankenkasse bezahlt für die medizinischen Leistungen bei der Begleitung von Frauen in der Schwangerschaft und nach der Geburt, sie ist sowieso in der Familie. Eine Familienhebamme ist ergänzend zur Hebamme eine Frau, die weiter fortgebildet und qualifiziert ist.“

Familienhebammen leisten neben dem medizinischen Angebot zusätzlich die psychosoziale Begleitung von Frauen in der Schwangerschaft und nach der Geburt eines Kindes. Diese zusätzlichen Leistungen, werden nicht durch die Krankenkassen finanziert, sondern über andere Kooperationspartner der Jugendhilfe. Die finanzielle Ausstattung liefert hierfür der Bund mit einem festgeschriebenen Budget, wie es im Bundeskinderschutzgesetz dargestellt ist.

Den Stand der Umsetzung im St. Elisabeth Krankenhaus in Wittlich, erläuterte Dr. med. Peter Locher, Chefarzt der Gynäkologie in der Geburtsklinik. Mit dem Förderprogramm „Guter Start“ beteiligt sich die Geburtsklinik Wittlich an der Umsetzung der Kinderschutzmaßnahmen im Land Rheinland-Pfalz. Hieran knüpft die Koordinationsstelle für den Einsatz von Familienhebammen an, die im „Hebammen-Team Wittlich“ eingerichtet wurde. In guter Zusammenarbeit mit dem Kinderschutz-Netzwerk des Landkreises Bernkastel-Wittlich,  wurden die Grundlagen für die Umsetzung des neuen Angebotes „Familienhebammen“ entwickelt. Dr. med. Peter Locher sieht sich gut aufgestellt, wenn es um die weitere Entwicklung des neuen Angebotes „Familienhebammen“ im Landkreis Bernkastel-Wittlich geht. Langfristig regt er an, dass sich die Geburtskliniken der Region vernetzen und ein Austausch über die Erfahrungen mit dem neuen Angebot organisiert wird.

Stephan Rother, Koordinator des Kinderschutz-Netzwerks im Landkreis Bernkastel-Wittlich, fasste einige Erkenntnisse zusammen. Zu klären sind: die Dokumentation der Familienhebammen-Einsätze, die Entwicklung von Supervisionsangeboten für die neuen Fachkräfte, eine Verständigung über die Einsatz-Verteilung sowie die permanente Weiterbildung für Familienhebammen. Im Rahmen der lokalen Netzwerkkonferenz am 15.05.2013, werden weitere Entwicklungen dargestellt sowie der Austausch zwischen Familienhebammen und den weiteren Unterstützungsangeboten für Familien im Landkreis Bernkastel-Wittlich gefördert.

Hintergrund:

Seit fünf Jahren besteht das Netzwerk Kinderschutz, der Initiative „Guter Start ins Kinderleben – Erziehungskompetenz stärken!“ im Landkreis Bernkastel-Wittlich. Jährlich informiert die lokale Netzwerkkonferenz über Maßnahmen im Kinderschutz.

Angebote wie die Elternbroschüre „Wegweiser für werdende und junge Eltern im Landkreis Bernkastel-Wittlich“, die halbjährlich erscheinende Familienbildungs-Broschüre „Familie Aktiv“ oder die für Eltern kostenfreie Informationen „Elternbriefe“ mit wichtigen Erziehungstipps, sind nur einige Bausteine aus dem Netzwerk und der Arbeit der Runden Tische Kinderschutz.

Für Fachkräfte in Kindertagesstätten wurden Unterstützungs-Materialien zusammengestellt, ein Coaching-Angebot für Klärungsfragen im Kinderschutz organisiert sowie Workshops durchgeführt. Für alle Lebensbereiche von Kindern und Jugendlichen wurden Verfahrenswege entwickelt, die die Schritte im Verdachtsfall einer möglichen Kindeswohlgefährdung beschreiben.

Mit Einführung des Bundeskinderschutzgesetzes zum 01.01.2012, wurde der Rahmen für die Bundesinitiative „Frühe Hilfen und Familienhebammen“ beschrieben. Seit Ende August wurden weitere Umsetzungen der Bundesinitiative durch das Land Rheinland-Pfalz auf den Weg gebracht.

Ansprechpartner:
Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich
- Kinderschutz -
Stephan Rother
Kurfürstenstr. 16
54516 Wittlich
Telefon: 06571 / 14-2220
E-Mail: Stephan.Rother[at]Bernkastel-Wittlich.de
www.familie.bernkastel-wittlich.de
www.facebook.com/netzwerkkinderschutz