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Welche speziellen Angebote gibt es für demenzkranke Menschen?

Demenzerkrankungen werden von den Betroffenen als eine besondere Belastung wahrgenommen, und die Angehörigen sind in hohem Maße in ihrer Verantwortung gefordert. In der Regel ist eine ganze Familie betroffen, und eine vielseitige Angebotsstruktur im Bereich der Pflege, Medizin, Sozialarbeit und bürgerschaftlichem Engagement wird zunehmend an Bedeutung gewinnen. Die Förderung der Selbstbestimmung von Menschen mit Demenz und die Unterstützung des Familiensystems bei der häuslichen Versorgung soll dazu beitragen, dass eine ambulante Versorgung möglichst lange aufrechterhalten und sichergestellt werden kann.

Im Landkreis Bernkastel-Wittlich stehen den Demenzerkrankten und den Angehörigen vielseitige Hilfe- und Unterstützungsangebote offen, die nachfolgend aufgeführt sind:

Modellprojekt „Demenz – zu Hause leben“

Das Land Rheinland-Pfalz fördert bis Ende 2008 landesweit acht Modellprojekte, um die Versorgungsstruktur für Menschen mit demenzieller Erkrankung auszudehnen und zu verbessern. Im Landkreis Bernkastel-Wittlich dient das Modellprojekt „Demenz – zu Hause leben“ der Erreichung dieser Zielsetzung.

Angebotsstruktur des Modellprojektes

  • Beratungsangebot
    Es wird kostenlose Beratung für Demenzerkrankte und Angehörige nach Terminvereinbarung angeboten. Beratungsinhalte sind schwerpunktmäßig Informationen über das Krankheitsbild, die Kommunikation und den Umgang mit dem Erkrankten, insbesondere bei Verhaltensauffälligkeiten. Die Information über die verschiedenen Hilfe- und Unterstützungsangebote sowie rechtliche Aspekte, z.B. die Pflegeversicherung, sind weitere Inhalte der Beratung.
  • Betreuungsangebot
    Begleitung und Betreuung von allein lebenden Menschen mit Demenz zur Unterstützung der selbständigen Lebensführung. Für die Betreuungseinsätze werden freiwillig sozial engagierte Mitarbeiter qualifiziert und übernehmen die regelmäßigen Einsätze. Damit tragen sie zielgerichtet zur Förderung der Selbständigkeit von Betroffenen bei, damit diese länger und sicherer in der eigenen Wohnung leben können. Schwerpunktaufgabe der Freiwilligen ist u.a. die Freizeitgestaltung, die Kommunikation und Beschäftigung mit dem Demenzerkrankten unter Einbezug seiner bisherigen Biografie. Hausarbeiten und Pflegetätigkeiten werden nicht übernommen.
  • Alzheimer-Café
    Das Alzheimer-Café findet am ersten Samstagnachmittag eines jeden Monats im Wechsel in Wittlich und Bernkastel-Kues statt. Es ist ein lockeres Treffen für Menschen mit Demenz und ihre Angehörige. Auf den Jahreskreis abgestimmte Themen, gemeinsames Singen und Klönen bei einer nett gedeckten Kaffeetafel füllen das Programm. Die Gäste sind zu Vorträgen und Erzählungen aus längst vergangenen Zeiten eingeladen und bei besonderen Anlässen spielen Musiker zum Tanz. Jeder ist willkommen. Um Anmeldung wird gebeten.
  • Gesprächsgruppe für Menschen mit Gedächtnisstörungen
    Die Zielgruppe für dieses Angebot sind Menschen im Frühstadium einer Demenzerkrankung. Durch professionelle Unterstützung soll erreicht werden, dass die Teilnehmer Bewältigungsstrategien hinsichtlich der Erkrankung entwickeln, eigene Wünsche und Vorstellungen umsetzen sowie zielorientiert die Zukunft planen. Gedächtnis- und Entspannungstraining, Biografie- und Erinnerungsarbeit sowie lebens­praktische Trainings- und Übungsverfahren werden vermittelt. Angehörige werden phasenweise in den Gruppenprozess eingebunden.
  • Betreuungsgruppe für Menschen mit Demenz
    Betreuungsgruppen für Alzheimer-Kranke und Menschen, die an anderen demenziellen Erkrankungen leiden, sind ein niedrigschwelliges ambulantes Betreuungsangebot. Ihr wesentliches Ziel ist es, pflegende Angehörige bei der anstrengenden Pflege und Betreuung zu entlasten und die Kranken in einem beschützenden Rahmen aktivierend zu betreuen. Das Beschäftigungsangebot während der vier Stunden ist abwechslungsreich und berücksichtigt die wichtigen Eckdaten/Besonderheiten der einzelnen Besucher/innen. Einfühlungsvermögen und vor allem Kenntnisse der Biografie der Demenzkranken wird bei den Betreuungspersonen vorausgesetzt.
  • Angehörigenkreis
    Regelmäßige Austauschtreffen von Angehörigen unter fachlicher Betreuung.
  • Schulung „Hilfe beim Helfen“
    Die sechsteilige Schulungsreihe der deutschen Alzheimergesellschaft bildet die Grundlage des kostenlosen Angebotes für pflegende Angehörige und Interessierte. Die Schulung informiert über das Krankheitsbild, den wertschätzenden Umgang mit dem Erkrankten, über die Kommunikation bei Verhaltensauffälligkeiten, über Recht und Pflegeversicherung und wie es mit unterstützenden Angeboten zu Hause besser weitergehen kann. „Hilfe beim Helfen“ wird dreimal im Jahr an verschiedenen Orten im Landkreis angeboten.
  • Themenbezogene Fortbildungen
    Um pflegende Angehörige bei der verantwortungsvollen Aufgabe weitreichend zu unterstützen, werden Tagesfortbildungen im Bereich der Kommunikation, im Umgang mit Demenzerkrankten und der Biografiearbeit stattfinden. Bei diesen Veranstaltungen wird ein Betreuungs­angebot für die Erkrankten von den Freiwilligen Helfer/innen angeboten.

Modellprojekt „Demenz – zu Hause leben“
Projektleiterin: Margret Brech
Kasernenstraße 37
54516 Wittlich
Tel.: 06571 149728

Niedrigschwelliges Betreuungsangebot

Die ambulanten Pflegedienste/Sozialstationen haben teilweise in Zusammenarbeit mit den Beratungs- und Koordinierungsstellen ein niedrigschwelliges Betreuungsangebot für Menschen mit Demenz und zur Entlastung der pflegenden Angehörigen eingerichtet. Die Betreuung erfolgt über geschulte ehrenamtliche Helfer/innen gegen eine Aufwandsentschädigung stundenweise in der häuslichen Umgebung. Die Kostenübernahme erfolgt bis zu 460 Euro jährlich über die Pflegekasse. Informationen über die niedrigschwelligen Betreuungsangebote erhalten Sie bei allen Beratungs- und Koordinierungsstellen (Seite 18) und den folgenden Pflegediensten/Sozialstationen:

Caritas Sozialstation Wittlich, Zur Schweiz 20, 54516 Wittlich;
Tel. 06571 5005

Caritas Sozialstation Bernkastel-Kues, Karl-Binz-Weg 11, 54470 Bernkastel-Kues; Tel.: 06531 6061

Deutsches Rotes Kreuz, Sozialstation Wittlich, Friedrichstraße 20, 54516 Wittlich; Tel. 06571 19219

Paritätische Sozialstation Hunsrück-Mosel gGmbH, Bahnhofstraße 22, 54424 Thalfang; Tel. 06504 99015

Gesprächsgruppen für Angehörige von Demenzerkrankten

Die Gesprächsgruppen werden von Fachkräften geleitet und sind im Hinblick auf Entlastung und Konfliktbewältigung ein wichtiges Forum für die Angehörigen. Die Inhalte richten sich immer nach den Teilnehmern und können z. B. sein: Erfahrungsaustausch über die aktuelle Pflegesituation, Umgang mit dem Erkrankten und mit eigenen Gefühlen und Belastungssituationen; Information zu den unterschiedlichen Krankheitsbildern der Demenz und die wertschätzende Kommunikation bei Verhaltensauffälligkeiten; Ratschläge zur Körperpflege und Ernährung sowie Trauerbegleitung nach dem Tod der erkrankten Angehörigen. 

Medizinische Versorgungsstruktur 

  • Ambulante Behandlung
    Äußern sich Symptome einer Demenzerkrankung oder sind Betroffene und Angehörige verunsichert durch auftretende Verhaltenänderungen, ist es ratsam, einen Facharzt zu konsultieren. Nicht immer ist die Ursache eine Demenz, denn es können auch organische Erkrankungen vorliegen, die bei Diagnosestellung behandelbar sind. Eine Adressenliste der Neurologen im Landkreis Bernkastel Wittlich finden Sie im Anhang.
  • Stationäre Behandlung
    Eine Diagnosestellung kann auch stationär erfolgen. Gleichfalls auch eine Abklärung hinsichtlich des Krankheitsbildes, d.h. Ausschluss symptomatischer Demenzformen im Hinblick auf eine Demenz als Folge andersartiger, unter Umständen behandelbarer Erkrankungen. Während eines Krankenhausaufenthaltes kann auch die medikamentöse Einstellung vorgenommen oder eine Intervention bei behandlungsbedürftigen Verhaltensstörungen wie Aggressivität oder Umkehr des Tag-Nacht-Rhythmus durchgeführt werden. Die Behandlung erfolgt auf einer offenen Station, so dass Patienten mit Weglauftendenzen nicht aufgenommen und behandelt werden können.