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Dorferneuerung im Landkreis Bernkastel-Wittlich

Die Kulturlandschaft wie sie sich heute darstellt ist in Jahrhunderten gewachsen. Untrennbar verbunden damit ist auch die Entwicklung und Ausgestaltung der Dörfer, immer abhängig auch von der Nutzung und der Topographie des jeweiligen Landschaftsraumes. Der Lebensraum „Dorf" war gekennzeichnet durch das Miteinander von Arbeiten, Wohnen, die Sicherung der Grundversorgung und Freizeitmöglichkeiten.

Das Leben und Wohnen im Dorf zeichnete sich aus durch:

  • Nähe zur Natur, Bezug zur Landschaft;
  • Kleinräumigkeit und Überschaubarkeit;
  • Beieinander und Vermischung der Funktionen des täglichen Lebens,
  • Sicherung der Grundversorgung,
  • Eigenart und damit Unverwechselbarkeit;
  • Möglichkeit zur Selbsthilfe;
  • Zusammenleben in örtlicher Gemeinschaft, Integration aller Bevölkerungsgruppen in das Dorfleben.

Durch den raschen und tief greifenden Wandel der Erwerbs- und Siedlungsstruktur, vor allem nach 1945, wurde diese Geschlossenheit immer mehr aufgelöst und nachhaltig verändert. Der allgemeine Strukturwandel, insbesondere auch der Landwirtschaft und des Weinbaus sowie geänderte Wertvorstellungen haben auch unsere Dörfer erfasst:

Die Entwicklung der Dörfer war und ist auch heute noch nach „Außen" in die Neubaugebiete gerichtet. Neubaugebiete sind im Gegensatz zu den gewachsenen Ortskernen austauschbar, im Norden Deutschlands die gleichen wie im Süden

Die Ortsränder werden zersiedelt. Die Neubautätigkeit beruht oft nicht auf natürlichem Bevölkerungszuwachs oder Wanderungsgewinnen, sondern auf Umzug von „Innen" nach „Außen".

Die Ortskerne drohen zu veröden. Die Entleerung hat zur Folge, dass die das jeweilige Dorf prägende Bausubstanz vernachlässigt oder sogar aufgegeben, die geschichtliche Kontinuität des Dorfes in Frage gestellt wird. Der Ortskern verliert an Attraktivität als Wohnstandort.

Der Landkreis Bernkastel-Wittlich ist geprägt durch die vielfältigen Landschaftsbilder der Eifel, des Moseltals und des Hunsrücks, die auch die besondere Attraktivität insbesondere für die naturnahe Erholung darstellen. Diese gewachsene Kulturlandschaft mit ihren Dörfern gilt es zu erhalten und den geänderten Entwicklungsbedingungen anzupassen.

Das Dorf von heute kann nicht mehr das Bauerndorf von früher sein. Es gibt kein museales Zurück. Es muss gelingen, das Dorf den gewandelten Bedürfnissen der Menschen anzupassen und die in die Zukunft gerichteten Entwicklungsmöglichkeiten eines jeden Dorfes im wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bereich zu erkennen und ihnen Raum zu geben.

Dorfentwicklung ist die jeder Gemeinde zukommende Realisierung ihrer Planungshoheit. Ziel muss es sein, sich mit den funktionalen Gegebenheiten auseinanderzusetzen und sich über zukunftsorientierte, nachhaltige Entwicklungsmöglichkeiten Klarheit zu verschaffen.

Das Unverwechselbare des jeweiligen Dorfes und Entwicklungsnischen müssen Gemeinderat und Bürger mit fachkundigen Beratern herausarbeiten. Ortsentwicklung muss von der Dorfgemeinschaft getragen sein. Es muss ein Dorferneuerungsbewusstsein geschaffen werden. Die Identifikation der Bevölkerung mit ihrem Dorf ist von entscheidender Bedeutung, und nicht, welches Pflaster Verwendung finden soll.

Dass die Dorfentwicklung eine der wichtigsten kommunalen Selbstverwaltungsaufgaben auch der nächsten Jahre ist, haben die weitaus meisten Gemeinden des Landkreises Bernkastel-Wittlich erkannt. Kaum ein Programm hat in der Vergangenheit solch sichtbare und nachhaltige Wirkung erreicht wie die Dorferneuerung und zeigt seit vielen Jahren Erfolge in den Dörfern des Landkreises. So haben bis heute 97% der Gemeinden des Landkreises Bernkastel-Wittlich sich den Gedanken der Dorferneuerung zu Eigen gemacht und ein Dorfentwicklungskonzept erstellt bzw. bereits fortgeschrieben.

Von der Dorferneuerung gehen auch wichtige Impulse für die heimische Wirtschaft aus. In der Regel sind ortsansässige Handwerksbetriebe bei Renovierungs- und Umnutzungsmaßnahmen beteiligt. Damit trägt die Dorferneuerung auch zur Stabilisierung und Sicherung von Arbeitsplätzen in den Dörfern bei.

Als eine wesentliche Voraussetzung für private Investitionen in unseren Dörfern werden oft Vorleistungen der öffentlichen Hand, insbesondere im Bereich der Ver- und Entsorgung und den sich daran anschließenden Straßenbaumaßnahmen erbracht. Der Landkreis Bernkastel-Wittlich hat seit 1984 im Rahmen von circa 100 Maßnahmen Ortsdurchfahrten mit einem Investitionsvolumen von 35 Millionen Euro dorfgerecht ausgebaut. Gestaltungsmaßnahmen und Umbaumaßnahmen an privaten Gebäuden sind die Folge. Da fast alle Gemeinden Dorferneuerungskonzepte erarbeitet haben, profitieren von diesen Maßnahmen in der Regel anerkannte Dorferneuerungsgemeinden. So wurde im Kreis Bernkastel-Wittlich zum Beispiel nachweisbar Folgendes erreicht:

Die Entleerung der Ortskerne konnte durch Umnutzung insbesondere leer stehender ehemals landwirtschaftlicher Bausubstanz gestoppt bzw. verhindert werden, mit der Folge, dass weniger Flächen im Außenbereich für Baugebiete in Anspruch genommen werden mussten. Der unverwechselbare Charakter des Dorfes wird somit erhalten. Örtliche Initiativen werden unterstützt. Das Wohnumfeld, die Lebensqualität in unseren Dörfern wird entscheidend gerade durch die aufeinander abgestimmten öffentlichen und privaten Maßnahmen im Rahmen der Ortsentwicklung gestärkt. Die Identifikation der Bürger mit ihrem Dorf wird erreicht.

Qualifizierte Arbeitsplätze konnten gesichert und geschaffen werden. Im Landkreis Bernkastel-Wittlich waren dies von 1990 bis 2005 circa 250. Gerade auch im Bereich der privaten Infrastruktur der Grundversorgung gibt die Dorferneuerung Anstöße und Hilfen, diese Einrichtungen und Betriebe zu stützen.

In einer Untersuchung des Münchener Info-Instituts wird der besondere Effekt der Dorferneuerung durch die Förderung von privaten Maßnahmen hervorgehoben. Nach dieser Untersuchung schafft oder erhalten circa 510 000 Euro Dorferneuerungsmittel Beschäftigung für 65 Personen. Daraus wird deutlich, welche Bedeutung die Dorferneuerung für die örtlichen Handwerks-, Dienstleistungs- und Gewerbebetriebe hat. In der Regel werden Leistungen der heimischen Wirtschaft in Anspruch genommen. So wurden im Landkreis Bernkastel-Wittlich durch den Einsatz von rund 16 Millionen Euro aus Mitteln der Dorferneuerung seit 1985 Investitionen von mehr als 120 Millionen Euro allein im privaten Bereich ausgelöst.

Durch den Einsatz dieser Mittel und mancher Folgeinvestitionen konnte der unverwechselbare Charakter des jeweiligen Dorfes erhalten werden. Charakteristische Dorfbilder in einer unverwechselbaren Kulturlandschaft sind auch eine der Grundlagen der weiteren touristischen Entwicklung.

Diese positiven Entwicklungen haben sich auch in den Platzierungen der Dörfer des Landkreises im Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden", seit 2005 "Unser Dorf hat Zukunft" niedergeschlagen.

In den vergangenen Jahren hat der Landkreis viermal den Bezirkssieger gestellt, entweder in der Hauptklasse (1994 - Lüxem, 1995 - Meerfeld, 1996 - Kleinich) oder in der Sonderklasse (1995 - Veldenz, 1998 - Lüxem) und 1995 sogar in beiden Klassen. 1999 erreichte Bergweiler im Bezirksentscheid den 2. Platz und Gornhausen den 3. Platz. Die Gemeinden Greimerath und Erden belegten jeweils den ersten Platz im Gebietsentscheid, Greimerath im Jahr 2001 und Erden 2003. Im Gebietsentscheid 2005 erreichte Meerfeld den zweiten Platz und erhielt den Sonderpreis des Ministeriums für Umwelt und Forsten für "Vorbildliche ökologische Leistungen in der Gemeinde".

Auch auf Landes- und Bundesebene wurden hervorragende Plätze erreicht. 1995 erhielt Veldenz eine Goldplakette beim Landesentscheid, 1994 und 1998 ging eine Goldplakette nach Lüxem. 1996 und 1997 gab es für den Landkreis Silberplaketten auf Landesebene, 1996 für Kleinich und 1997 für Irmenach Ortsteil Beuren. Beim Bundesentscheid erhielten Veldenz 1995 eine Silberplakette und ebenso Lüxem 1998 für seine Teilnahme beim Bundeswettbewerb in Berlin. In den Jahren 1999, 2001, 2003 und 2005 nahm jeweils eine Gemeinde unseres Landkreises beim Landesentscheid teil und alle erreichten gute Plätze: Bergweiler 1999 5. Platz, Greimerath 2001 5. Platz, Erden 2003 5. Platz und Meerfeld 2005 3.Platz.

Die Zukunft der Dörfer in Frage zu stellen würde bedeuten, den ländlichen Raum aufzugeben. Funktionsfähige Dörfer sind die Lebenszellen unserer Region. Im Zusammenspiel mit den zentralen Orten bilden sie die Basis der gewachsenen ländlichen Siedlungsstruktur.

Der ländliche Raum muss sich seines Wertes auch für das Gemeinwesen (den Staat) bewusst, ja selbstbewusst werden:

  • als Siedlungs- und Arbeitsraum,
  • als Standort für land- und forstwirtschaftliche Produktion,
  • als Raum für natur- und landschaftsbezogene Freizeit und Erholung,
  • als ökologischer Ausgleichsraum und Grundlage der Wasserversorgung großer Landesteile,
  • als Raum mit Vorhaltefunktion für künftige Ansprüche.

Alle Bemühungen sind darauf gerichtet zur Weiterentwicklung der besonderen ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Funktionen des ländlichen Raumes beizutragen und den Verlust der kulturellen, baulichen und landschaftlichen Eigenart zu verhindern.

Gemeinsames Ziel muss es sein, die Dörfer als zukunftsbeständigen Wohn-, Arbeits-, Sozial- und Kulturraum zu erhalten und weiterzuentwickeln. Der spürbare Umdenkungsprozess der Dorfbewohner, die erzielten Erfolge und die zur Stärkung der Ortskerne durchgeführten Maßnahmen geben Anlass zur Hoffnung dieses Ziel erreichen zu können. Die Dorferneuerung ist damit ein wesentlicher Baustein der ländlichen Strukturpolitik.

Regionaltypisches Bauen

Um den Bauwilligen beim Neubau oder dem Umbau alter Bausubstanz eine Hilfestellung zu geben hat eine Arbeitsgemeinschaft von Architekten und den Dorferneuerungsbeauftragen der Landkreise eine Serie von Faltblättern erarbeitet, die versucht die Frage, was denn regionaltypisches Bauen und Gestalten bedeutet, zu beantworten. Die Informationsblätter sind speziell für das Moseltal konzipiert, die meisten Regeln gelten aber ebenso für die Eifel und den Hunsrück. Die von eins bis acht nummerierten Blätter widmen sich den folgenden Themen:

  • Ortsstruktur und Landschaft - natürliche raumbildende Faktoren, Topographie
  • Raumcharakter der öffentlichen Bereiche - Raumfiguren, Raumfolgen, der Zusammenklang der Volumina
  • Einzelbaukörper - Charme und Charakter der Baukörperfigur
  • Plätze, Straßen, Gassen - der öffentliche Raum: eine Bühne fürs Dorfleben
  • Akzentsetzung im Detail - aus der Summe stimmiger Details entsteht das Gesicht des Ortes
  • Oberflächen - Oberflächenstruktur, Materialcharakter
  • Grün - das Hausumfeld
  • Neues Bauen - „regionaltypische" Architektur, gibt es die?

Die Faltblätter erhalten Sie kostenlos bei der Kreisverwaltung (Zimmer N 4, Tel.: 06571/142379, E-Mail: Doris.Weinand@Bernkastel-Wittlich.de).