Titelbild des Kreisjahrbuchs

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Kreisarchiv
Bernkastel-Wittlich
Schloßstraße 10
54516 Wittlich

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9.00 – 13.00 Uhr, 
dienstags und donnerstags
14.00-16.30 Uhr

Claudia Schmitt
Tel.: 06571/96633
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Brunhild Schmitz
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Kreisjahrbuch 2010

Vielfalt und Dynamik, Information und Unterhaltung präsentiert das neue Kreisjahrbuch Bernkastel-Wittlich auf rund 400 Seiten. Mit Artikeln wie „Lachendes Donnerwetter“, „Alle Welt spricht von Integration – bei uns wird sie gelebt“ oder „Wein, Gastlichkeit, Spezialitäten“ ist das Jahrbuch am Puls der Zeit und präsentiert einen aktuellen lebendigen Landkreis.

Dass aber auch die Vergangenheit spannend sein kann, beweisen nicht nur Geschichts-Thriller mit fiktiven Storys von berühmten Schriftstellern. Jahrbuch-Autoren spürten echte Dokumente auf, die über lange Zeit verschollen oder nicht zugänglich waren, und verfassten Artikel über „Die wundersamen Wege einer Geheimschrift“ oder über ein von einem amerikanischen Archiv freigegebenes „Geheimes Verhörprotokoll“.

Weitere Autorinnen und Autoren haben Vorgänge aus der Zeit des Nationalsozialismus aufgegriffen und berichten über das Vorgehen der damaligen Machthaber gegen Menschen in unserer Heimat. Beiträge wie „Der Fall Johann Hammes“, „Zwangssterilisationen in der NS-Zeit“ und „Stolpersteine in Bernkastel-Kues“ fordern auf zum Weiterfragen und Weiterforschen oder informieren dank intensiver Recherchearbeit und wissenschaftlichem Herangehen ausgewogen zum Beispiel über die im letzten Jahr kontrovers geführte Scherl-Debatte in Wittlich.

Ein großer Teil des Jahrbuches widmet sich der Wiederentdeckung und Vorstellung interessanter Persönlichkeiten: vergessene Künstler oder Männer und Frauen, die Herausragendes oder Erstaunliches geleistet haben, wie die Alftaler Altarbauer Raskob oder der streitsame Pfarrer Aloys Licht aus Kesten, die ehrbare Wittlicher Kaufmannsfamilie Diedenhofen oder der Bernkasteler Mediziner Philipp Horcher, ein Zeitgenosse Galileis.

Köstlich sind die Mundart-Anekdoten, Geschichten und Gedichte heimischer Autorinnen und Autoren, bemerkenswert die persönlichen Erinnerungen an die Moselbade- und Schwimmanstalt Bernkastel-Kues, an das Wittlicher Kyffhäuser-Waisenhaus, an den Tag nach der Kristallnacht, an die selig gesprochene Morscheider Schwester Blandine, an die Gielerter Hausnamen und Hausmarken, an kleine Dorfvolksschulen und vieles mehr aufgeschrieben. 

Das diesjährige Schwerpunktthema „Arm, krank und kinderreich … Gesundheitswesen und Fürsorge in früheren Zeiten“ zeigt auf, wie sich in früheren Zeiten Menschen ohne die Sicherheit staatlicher sozialer Netzwerke, wie Arbeitslosen- und Krankenversicherung oder Sozialhilfe, durchs Leben schlugen.

Das Kreisjahrbuch ist lesenswert für alle, die mehr über Landschaft, Geschichte, Natur und Kultur der Heimat erfahren wollen. Es lohnt sich wieder, die neue reich bebilderte Ausgabe in Ruhe durchzublättern, um dann hängenzubleiben an der perfekten Aufnahme des Eisvogels im Enkircher Ahringsbachtal, am schönen, nachdenklichen Gedicht, der pfiffigen Geschichte oder aber an einem der vielen packenden Themen der lokalen Geschichte.

Wie vital das Interesse am Jahrbuch des Landkreises ist, zeigt die große Zahl der eingereichten Manuskripte. In der Redaktion des Kreisjahrbuches muss man nicht händeringend nach Themen und Artikeln suchen, um die vierhundert Seiten der neuen Jahrbuch-Ausgabe zu füllen. Im Gegenteil: Immer wieder neue interessante Artikel werden eingereicht, und manch einer wird darum erst im nächsten Jahr zu lesen sein.

Erfreulicherweise kann auch die 34. Ausgabe des Kreisjahrbuches durch die rege Beteiligung heimischer Unternehmen und Firmen sowie der Sparkasse Mittelmosel – Eifel Mosel Hunsrück – wieder in vielen Verkaufsstellen im Landkreis, vor allem im örtlichen Buchhandel, zum ausgesprochen günstigen Preis von nur 6,30 Euro angeboten werden.

Schwerpunktthema des Kreisjahrbuchs 2010: „Arm, krank und kinderreich …“

Das ist schon ganz schön starker Tobak, was man da im Schwerpunktthema des neuen Kreisjahrbuches zu lesen bekommt. Wer kein Geld, kein Haus, keine Arbeit hatte, war in früheren Zeiten gezwungen, betteln oder hausieren zu gehen.

Eine Grundsicherung bei Erwerbsunfähigkeit oder im Alter gab es noch nicht. Kein großes soziales Netzwerk fing die Menschen in Not auf. Wenn es ganz schlimm wurde, konnte man sich noch an den Gemeinderat, in dem Ort, in dem man lebte, mit einem Gesuch um Unterstützung wenden. War der Rat dem Hilfesuchenden nicht wohl gesonnen, gab es nur den lapidaren Hinweis, man könne ja hausieren gehen oder eine kleine Gartenecke bekommen für eine gewisse Zeit, auf dem man das Lebensnotwendige anbauen könne. Der aktuelle Hunger ließ sich damit aber nicht stillen. Auf die Kraft der eigenen Hände kam es in unserer Gegend an, die im 18. und 19. Jahrhundert als sehr arm galt.

Wer dazu auch noch krank wurde, hatte es noch schwerer, jedoch bewilligte in solchen Fällen der Gemeinderat, wie Prof. Erwin Schaaf berichtet, einen kleinen manchmal sogar regelmäßigen monatlichen Geldbetrag. Der Rat – hier der Gemeinderat von Kinderbeuern – sah genau hin, wem man etwas gab und wem nicht. Und wenn der Ernährer der Großfamilie, wie sie damals mit zehn und mehr Kindern noch üblich war, im Gefängnis landete, dann bekam die Frau eben kein Geld in die Hand, sondern die Weisung, Weidenruten nach Wittlich zu bringen, damit der Mann in der Haft Körbe binden könne, um seine Familie weiter zu ernähren – diesmal auf legale Weise.

Die Trierer Universität hat mit der Einrichtung eines Sonderforschungsbereichs „Armut und Fremdheit“ die Forschung über arme Menschen in unserer Region vorangetrieben. Teile unseres heutigen Kreisgebiets dienten als Untersuchungsraum für Dissertationen. So ist heute die Situation der Armen und Kranken in der Eifel, im Hunsrück und an der Mosel gut rekonstruiert und wird im Jahrbuch-Schwerpunktthema auch von den Wissenschaftlern Dr. Katrin Marx-Jaskulski und Dr. Martin Krieger eindringlich und erschreckend realistisch dargestellt.

Dass sich Notzeiten auch wiederholen können, zeigt der Historiker Dr. Klaus Petry in seinem Beitrag über die Lage der Wittlicher in den Nachkriegsjahren, in denen genau wie in früheren Zeiten Hunger, Arbeitslosigkeit und Krankheit das Leben über einige Jahre hinweg beherrschten.

Vervollständigen Sie Ihre Reihe der Kreisjahrbücher!

Folgende Restexemplare des Kreisjahrbuches Bernkastel-Wittlich sind im Kreisarchiv erhältlich (solange Vorrat reicht):

*Bei Lieferung zuzüglich Verpackung und Porto