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Die Bovine Herpesvirus-1-Infektion ( BHV 1), früher auch als IBR/IPV bezeichnet, ist eine weltweit verbreitete Virusinfektion der Rinder. Wirtschaftliche Verluste können v.a. in Großbetrieben durch einen Rückgang der Mast- und Milchleistung, durch schlechte Befruchtungsergebnisse, Todesfälle und gelegentlichen Aborten hervorgerufen werden. Übergeordnete Bedeutung haben aber die wirtschaftlichen Verluste aufgrund von Handelshemmnissen, die in vielen Ländern für BHV-1 infizierte Tiere bestehen. Die BHV-1 Infektion ist anzeigepflichtig.

Die klinischen Symptome sind abhängig vom Virusstamm, der Eintrittspforte, dem Immunstatus, der Virusdosis und verschiedenen Umwelteinflüssen und können in folgende getrennt voneinander oder gelegentlich auch nebeneinander vorkommende Symptomgruppen unterteilt werden:

  • respiratorische Form (IBR, Infektiöse Bovine Rhinotracheitis): Fieber, Allgemeinstörungen, Nasenausfluss, Husten u.a. Symptome des Atmungsapparates, Pusteln an Nasenschleimhaut, Bindehautentzündung
  • Meningoencephalitis (bei Kälbern unter 6 Monaten): zentralnervöse Störungen, Tod
  • genitale Form (IPV, Infektiöse Pustulöse Vulvovaginitis): Entzündung der Vagina und Vulva mit Bläschenbildung und Ausfluss, beim Bullen pustulöse Balanoposthitis.
  • Abort: durch Infektion des Fötus

Die Bekämpfung der BHV 1 erfolgt nach den Vorschriften der BHV 1 Verordnung. Bis auf wenige Ausnahmen dürfen nur BHV1-freie Zucht- und Nutzrinder gehandelt werden. Die hierzu benötigte amtstierärztliche Bescheinigung über die BHV1-Freiheit wird auf Antrag von der Kreisverwaltung (Fachbereich Veterinärdienst) ausgestellt. Rinder aus nicht BHV 1 freien Beständen dürfen nur zur Schlachtung verbracht werden.

Bis auf wenige Betriebe in Rheinland-Pfalz haben mittlerweile fast alle Rinder haltende Betriebe erfolgreich ihren Freiheitsstatus erlangt. Die dafür notwendigen Maßnahmen waren in der Regel aufwändig und häufig mit hohen Kosten verbunden. Umso wichtiger ist es nun, durch geeignetes Verhalten das Erreichte nicht zu gefährden. Die größte Gefahr einer Neueinschleppung von BHV1 in den Bestand besteht über den Zukauf von Rindern mit unbekanntem Status. Deshalb ist unbedingt zu beachten:

  • Vor dem Kauf eines Rindes immer eine amtliche Bescheinigung über den BHV1-Status des Rinderherkunftsbetriebes, ausgestellt vom Veterinärdienst der jeweils zuständigen Kreisverwaltung, verlangen. Besteht Klärungsbedarf wegen der Bescheinigung, sollte Kontakt mit dem Veterinärdienst aufgenommen. Die Bescheinigung ist mindestens drei Jahre aufzubewahren.
  • Wird das Rind nicht selbst aus dem Herkunftsbestand abgeholt sondern von einem Dritten (z. B. Viehhändler) gebracht, sollte man sich schriftlich bestätigen lassen, dass das Rind während des Zeitraumes zwischen Abholung aus dem Herkunftsbetrieb und der Ablieferung im Bestimmungsbetrieb nicht mit Rindern in Berührung gekommen ist, die nicht den gleichen Status besitzen. In diesem Fall sollte auch die Zusage eingeholt werden, dass das Transportfahrzeug vor Beginn des Transportes vorschriftsmäßig gereinigt und desinfiziert wurde.
  • In dem mitgelieferten Rinderpass müssen alle Verbringungen des Rindes lückenlos und plausibel zu erkennen sein.

Was ist zu tun, um den Status „BHV1-frei“ aufrecht zu erhalten?

  • In Beständen, deren Kuhanteil über 30 vom Hundert beträgt, müssen die über 24 Monate alten weiblichen und männlichen Tiere einmal jährlich über Blutproben untersucht werden. In Milchbetrieben können anstelle der Blutproben zweimal jährlich Tankmilchproben untersucht werden. Dabei ist darauf zu achten, dass in einer Probe die Milch von maximal 50 Kühen enthalten.
  • In Beständen, deren Kuhanteil unter 30 vom Hundert beträgt, müssen einmal jährlich alle weiblichen (unabhängig vom Alter) und die bis zu neun Monaten alten männlichen Tiere über Blutproben untersucht werden.
  • Für solche Rinderbestände, in denen die Tiere ausschließlich in Ställen gehalten und nur zur unmittelbaren Schlachtung abgegeben werden (reine Mastbetriebe), gelten abhängig vom Alter der Tiere erleichterte Bedingungen.