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Schlangen

Schlangen spielen in unserer Kulturgeschichte und in der Mythologie eine wichtige Rolle. Schon zu Zeiten Adam und Evas hat sich die Schlange einen schlechten Ruf erworben. Unwissenheit über ihr Vorkommen und Verhalten und die Angst vor giftigen Bissen sorgen dafür, dass dieser schlechte Ruf auch heute noch weit verbreitet ist.

Dabei gilt: Niemand in Rheinland-Pfalz muss Angst haben, wenn er auf eine Schlange trifft, denn alle hier vorkommenden Schlangenarten sind harmlos und ungiftig!

Kenntnisse über die Lebensweise der Schlangen und angemessenes Verhalten ermöglichen ein entspanntes und friedliches Miteinander von Mensch und Tier:

  • Schlangen sind wechselwarme Tiere, ihre Körpertemperatur ist von der Umgebungstemperatur abhängig. Sie benötigen eine morgendliche „Aufwärmphase“, die sie gerne auf sich leicht aufheizenden besonnten Flächen verbringen. Während ihrer aktiven Phase – etwa Mitte Februar bis Ende Oktober – halten sie sich vor allem bei feuchtwarmem Wetter im Freien auf. Bei Hitze, Trockenheit, Kälte oder starkem Regen bleiben sie in ihren Schlupfwinkeln oder verbergen sich in der Krautschicht.
  • Schlangen haben keine Ohröffnungen und sind taub. Auf Geräusche reagieren sie daher nicht.
  • Schlangen zwängen sich oft in enge Ritzen und Spalten, die ihnen Schutz vor Feinden bieten. Holz- und Steinhaufen, Bruchsteinmauern, Bretter und Steinplatten sind daher bevorzugte Schlupfwinkel.
  • Flucht- und Abwehrverhalten: Schlangen sind sehr scheu und reagieren stark auf visuelle Reize. In der Regel fliehen sie bei der geringsten Störung. Gelingt ihnen das nicht, zischen sie laut und stoßen mit dem Kopf in Richtung des Angreifers. Es handelt sich dabei um eine Drohgebärde, die nur in seltenen Fällen mit einem Biss endet. Der Biss einer der drei bei uns heimischen Natternarten ist für den Menschen harmlos. Die Ringelnatter zeigt zusätzlich ein spezielles Abwehrverhalten:
    Beim Totstell-Reflex dreht sich das Tier halb auf den Rücken und erschlafft. Dabei dreht es die Pupillen nach unten und lässt die Zunge heraushängen. Wird die Ringelnatter angefasst oder aufgehoben, entleert sie manchmal ihre Analdrüse, die eine übelriechende Flüssigkeit enthält.
  • Schlangen, die sich einem Menschen nähern, haben diesen nicht bemerkt und versuchen keinesfalls anzugreifen. Zur Paarungszeit im Frühling sind Männchen auf Weibchensuche oft derart abgelenkt, dass sie einen Menschen nicht sofort bemerken. Eine auffällige Bewegung veranlasst sie zur Flucht.

Verhaltensregeln:

  • Trifft man auf eine Schlange, diese bitte nicht anfassen oder belästigen, sondern durch Bewegung auf sich aufmerksam machen und der Schlange Gelegenheit zur Flucht geben. Bleibt die Schlange trotzdem liegen, ruhig in etwa 2 m Abstand vorbeigehen.
  • Bei Handgriffen an unübersichtlichen Stellen, z.B. Holzstößen, Steinhaufen, Trockenmauern vorsichtig agieren - es könnten sich Schlangen darunter verstecken; dies gilt ebenfalls für das Sammeln von Beeren und Pilzen in unübersichtlichem Gebüsch oder in krautigem Aufwuchs.
  • Bei Vorkommen von Schlangen am Haus und im Garten ist folgendes zu beachten: Wer Schlangen nicht im unmittelbaren Hausumfeld haben möchte, beseitigt Versteckmöglichkeiten und macht das Gelände übersichtlich: Gras kurz halten, herumliegende Bretter und Blechplatten entfernen, Holzstöße, wenn möglich, im Schatten anlegen, da Schlangen von der Sonne erwärmte Stellen als Schlupfwinkel bevorzugen.

Infos zu den drei in Rheinland-Pfalz vorkommenden Arten:

Ringelnatter (Natrix natrix)

Merkmale:
kräftige, ans Wasser gebundene Natter, 80 cm bis max. 1,50 Meter lang, deutlich abgesetzter Kopf, runde Pupillen, meist graue Grundfärbung mit nur kleinen Flanken- und Rückenflecken. Charakteristisches Erkennungsmerkmal: beidseitige hellgelbe halbmondförmige Flecken am Hinterkopf

Lebensraum/Lebensweise:
häufigste Art in Rheinland-Pfalz, bevorzugt Biotope in Gewässernähe, wie vegetationsreiche Fluss- und Seeufer, Feuchtwiesen, Sümpfen, naturnahe Teiche, aber auch lichte Wälder, sehr gute Schwimmerin, tagaktiv.
Nahrung: Vorwiegend Kröten, Molche und Fische, seltener Mäuse und Eidechsen, werden lebend gefressen.
Überwinterung: Mitte Oktober bis Anfang April in Komposthaufen, frostfreien Erdlöchern, Baumstubben, Laubhaufen in Winterstarre.
Paarung im Mai, Eiablage an vermodernden, feuchten und sich gut erwärmenden Stellen (z.B. Komposthaufen), Jungtiere schlüpfen gegen Ende August und sind zu diesem Zeitpunkt ca. 20 cm lang.

Schling- oder Glattnatter (Coronella austriaca)

Merkmale:
max. 70 cm lang, runde Pupillen (im Gegensatz zur Kreuzotter, die eine senkrechte, strichförmige Pupille besitzt), Grundfärbung grau, braun oder rötlich, Hinterkopf, Hals und Rücken dunkel gemustert, glatte Schuppen, charakteristisches dunkles Band zwischen Auge und Mundwinkel.

Lebensraum/Lebensweise:
bevorzugt trockene Standorte, z.B. Heiden, Waldränder, Mauern und Böschungen an Weinbergen, Weinbergsbrachen, Eisenbahndämme.
Überwinterung von Oktober bis März in Winterstarre an frostfreien Plätzen, Paarung im April/Mai, zwischen August und September werden 6 – 15 Jungtiere lebend zur Welt gebracht. Nahrung: vorwiegend Eidechsen, Blindschleichen, junge Schlangen anderer Arten, Mäuse, Vögel.

Würfelnatter (Natrix tessellata)

Merkmale:
echte Wassernatter, max. 90 cm lang, grau bis braun mit dunklen würfelförmigen Flecken auf dem Rücken, Nasenlöcher und Augen nach oben gerichtet

Lebensraum/Lebensweise:
seltenste der rheinland-pfälzischen Schlangenarten, lebt kleinräumig nur an Mosel, Lahn und Nahe, im Kreisgebiet sind keine Vorkommen bekannt. Bewohnt vegetationsreiche Uferzone, schwimmt und taucht ausgezeichnet. Nahrung: fast ausschließlich Fische, seltener Frösche und Kaulquappen. Überwinterung von Mitte Oktober bis März, Paarung im März/April, Eiablage im Juni in ähnlichen Substraten wie die Ringelnatter. Ca. 20 Jungtiere schlüpfen im August.
Die Würfelnatter sucht das Land nur zum Sonnen, zur Paarung und zur Eiablage auf.

Oft mit Schlangen verwechselt wird die

Blindschleiche (Anguis fragilis)

Die Blindschleiche hat zwar eine schlangenähnliche Gestalt, gehört aber in die engere Verwandtschaft der Eidechsen und ist ebenfalls völlig harmlos.

Merkmale:
Bis zu 60 cm lang, braune, graue oder bläuliche Färbung, Körper walzenförmig, Kopf nicht deutlich vom Körper abgesetzt.

Lebensraum/Lebensweise:
Bewohnt Wald- und Gebüschränder, trockene Wiesen, Weinberge, Parkanlagen, naturnahe Gärten; zieht sich am Tag meist in kühleren Verstecke, z.B. unter Steinen oder Totholz zurück; geht in der Dämmerung auf Nahrungssuche.
Nahrung: hauptsächlich Regenwürmer, Nacktschnecken und Ameisen. Paarung im Mai, ca. 3 Monate später werden 8-12 Jungtiere lebend geboren. Winterstarre von Ende Oktober bis Februar/März.

In der Regel fliehen Blindschleichen bei Annäherung sofort. Bei trächtigen Weibchen wird gelegentlich von Bissen beim Fang berichtet, die aber vollkommen harmlos sind und meist die Haut nicht durchdringen.

Gefährdung und Schutz:

Alle heimischen Schlangenarten sind nach Naturschutzrecht besonders bzw. streng geschützt und stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Reptilienarten in Rheinland-Pfalz. Sie dürfen weder getötet, noch verfolgt oder belästigt werden.

Die größte Gefahr für alle Schlangenarten droht durch großflächige Landschaftsveränderungen wie Intensivierung der Landnutzung, Straßen- und Siedlungsbau, Entwässerung von Feuchtgebieten, aber auch durch Förderung des Tourismus an größeren Seen und Flüssen.

Was können Sie zum Schutz der Reptilien beitragen?

Informieren Sie Ihre Bekannten über die Harmlosigkeit der Schlangen in Rheinland-Pfalz. Helfen Sie mit beim Erhalt der Lebensräume der Arten. Melden Sie uns Ihre Beobachtungen wie z.B. Standorte mit häufigen Schlangenvorkommen.