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Auch das Moselprojekt des Bauern und Winzerverbandes verfolgt die gleichen Ziele wie die Lebendigen Moselweinberge. Dr. Corinna Lehr erläutert die Artenvielfalt im Weinberg der Weinbauviezepräsidentin Stefanie Vornhecke. von links: Dr. Corinna Lehr (Biotopbetreuerin und Biologin), Hans-Jürgen Sehn (Kreisbeigeordneter Cochem-Zell), Landrat Gregor Eibes (Vorsitzender der Regionalinitiative), Jutta Blatzheim-Roegler (Landtagsabgeordnete), Andy Becht (Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau Rheinland-Pfalz), Heike Raab (Staatssekretärin im Ministerium des Innern, für Sport und Infrastruktur Rheinland-Pfalz), Anke Beilstein (Landtagsabgeordnete). Foto: DLR Mosel

Sie ist Expertin, wenn es darum geht, sich für die Vielfalt von Flora und Fauna in den Weinbergen stark zu machen. Und mittlerweile ist sie auch Profi als Preisträgerin. Bereits zum zweiten Mal nach 2016 wurde die Initiative „Lebendige Moselweinberge“ als UN-Dekade-Projekt zur Förderung der biologischen Vielfalt ausgezeichnet. Zur Überreichung von Urkunde Nummer zwei hätte es keinen besseren Ort und kein besseres Datum geben können als den 25. Mai.

Denn Andy Becht, Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, konnte an diesem Tag in Senheim gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe nicht schlagen, sondern „fliegen“ lassen. Parallel zur Preisverleihung eröffnete er die Tage der „Lebendigen Moselweinberge“, testete die neue interaktive Ausstellung der Initiative und gesellte sich zum Premieren-Publikum des neuen Films über den Leuchtpunkt „Mesenicher Steinreichskäpp“.

„Was haben Nairobi, Rio de Janeiro und Senheim/Mesenich gemeinsam?“ fragte zum Auftakt der Feier im Senheimer Gemeindehaus Hubert Friedrich, Leiter des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) in Bernkastel-Kues, dessen Team das DLR-Projekt „Lebendige Moselweinberge“ mit Leben füllt. Nun, die Schlussakte von Nairobi zum Erhalt der Artenvielfalt wurde 1992 beim Umweltgipfel in Rio de Janeiro unterzeichnet. Senheim-Mesenich ist ein Beispiel dafür, wie regionale Antworten darauf aussehen können. „27 Jahre hat es gedauert, bis das Thema in der Bevölkerung angekommen ist. Dass alle Staaten es kapiert haben, dessen bin ich mir nicht so sicher“, sagte er. Das Artensterben spreche eine deutliche Sprache. Gleichwohl vertrete das DLR keinen Ansatz in depressiver Stimmung, sondern versuche, positiv heranzugehen und etwas zu bewirken. Biologische Vielfalt schaffen, dürfe Spaß machen. Man wolle die Menschen dazu anregen, in den Weinbergen zu schnuppern, zu staunen und zu schmecken.“

Das ist so ganz nach dem Geschmack von Moselweinkönigin Laura Gerhardt. Touristen, die an die Mosel kommen, wüssten meist sehr genau, wo sie unterwegs sind. Die Hoteliers könnten trotzdem wertvolle Tipps geben, wo man was entdecken und sich verzaubern lassen kann. Gerhardt plädierte für den Erhalt des Steillagenweinbaus und somit der Kulturlandschaft. „Sie fasziniert uns und unsere Gäste gleichermaßen.“

Der Landrat des Kreises Bernkastel-Wittlich, gleichzeitig Vorsitzender der Regionalinitiative Mosel, Gregor Eibes, zeigte sich angetan davon, „dass so viele Menschen sich für die Artenvielfalt begeistern“. Viele Kultur- und Weinbotschafter seien gemeinsam dafür unterwegs ganz nach dem Goethe-Motto: „Man sieht nur, was man weiß.“ Das ausgezeichnete Projekt helfe dabei, dass man bewusster in die Landschaft hineingehe.

Gerade sei er in China gewesen, habe die Seidenstraße kennengelernt, erzählte Landrat Manfred Schnur (Kreis Cochem-Zell). Doch selbst nach dieser Reise habe er beim Blick aufs Moseltal gedacht: „Wieder daheim. Wie schön. Wir haben die Gnade, in dieser Landschaft zu leben.“ Er ist auch Vorsitzender des Vereins Weltkulturerbe Moseltal und arbeite emsig daran, dass „diese Besonderheit, diese Einmaligkeit des Moseltals mit dem höchsten Siegel ausgezeichnet wird“.

Auch Walter Clüsserath, Präsident des Weinbauverbandes Mosel, ist dafür, dass das Moseltal zum Weltkulturerbe wird. „Aber nicht als Weinbaumuseum. Das darf den technischen Fortschritt im Weinbau nicht bremsen“, sagte er. Wenn es etwa um den Erhalt der Weinbergsmauern und Wirtschaftswege geht, dürfe man die Winzer finanziell nicht im Regen stehen lassen.

Staatssekretär Andy Becht hatte neben der Urkunde für die Initiative „Lebendige Moselweinberge“ als erneutes UN-Dekade-Projekt auch das Kompliment im Gepäck, „wie toll sie hier ihre Heimat gestalten und leben“. Die Fakten zum Klimawandel und zum Artensterben „sollten uns nicht depressiv werden lassen, sondern zum Handeln bewegen“. Es sei gut, dass auch viele junge Menschen in Sorge sind und das artikulieren. Man müsse selber für diese Sache brennen und nichts in der Natur als selbstverständlich annehmen.

Dann gab er die Bühne frei für einen „Hauch von Hollywood an der Mosel“. Die Uraufführung feierte der Film über den Leuchtpunkt „Mesenicher Steinreichskäpp“. Darin erzählt die Erzieherin, Naturerlebnisbegleiterin und Imkerin Bärbel Serwazi, was sie im Reich der Steine inmitten der Weinberge so fasziniert und warum sie genau diesen Leuchtpunkt ausgewählt hat. Kalte Steine? Von wegen. Die Stein-Reiche rund um Senheim-Mesenich speicherten Wärme und böten ein behagliches Umfeld für Pflanzen und Tiere. „Hier gibt es keine Monokulturen. Das schätze ich sehr. Meine Bienen auch: Für sie ist es das gelobte Land“, freute sich Bärbel Serwazi, eine von 120 Naturerlebnisbegleitern, die bisher die herausfordernde Ausbildung als solche beim DLR nicht gescheut haben. Ja, und nicht bei allen Filmpremieren hat man die Chance, sowohl die Protagonistin des Streifens als auch die Urheber kennenzulernen. In Senheim waren nämlich auch die Filmemacher Anja Freyhoff und Thomas Ullmann mit dabei. Viel Geduld und viel Enthusiasmus braucht man, um in wenigen Minuten auf der Leinwand zu zeigen, was die Natur an den insgesamt 16 Leuchtpunkten zu bieten hat. „Bei dem Dreh zum Steinreichskäpp spielte das Wetter nicht mit. Stundenlang ging es mit der Kamera durch die Weinberge, bis sich tatsächlich mal ein paar Tiere blicken ließen“, erzählt Serwazi.

Herausfordernd – zumindest für die Sinne – ist auch die neue interaktive Ausstellung der „Lebendigen Moselweinberge“. Ein Memory mit Fotos von Pflanzen und Tieren, die sich in den Weinbergen wohlfühlen ist nicht nur etwas für Kinder und schon gar nicht kinderleicht. Auch die Aufgabe „Fühl mal – was bin ich?“ erfordert höchste Konzentration. Ist da etwa eine Weinbergschnecke versteckt? Könnte das Schiefer sein?

Wo wächst was an der Mosel? Welche Tierart fühlt sich in welcher Region wohl? Auf einer Terroirkarte kann man sein Wissen über Natur, Landschaft und Besonderheiten unter Beweis stellen. Das ist lehrreich, macht Spaß und sorgt für munteren Meinungsaustausch.

Genauso wie die Ausführungen von Diplom-Biologin und Biotop-Betreuerin Dr. Corinna Lehr. Dazu ging es hoch nach oben mitten in den Weinberg von Winzerin Stefanie Vornhecke. „Ich will hier nicht die negativen Beispiele vorführen, aber betrachtet man die Weinberge hier, kann man sofort sehen, wer was in Sachen Artenvielfalt tut“, sagte Lehr. Vornhecke, die auch Weinbauvizepräsidentin ist, hat ihre Rebgassen begrünt und einheimische Blühpflanzen ausgesät. Zwischen den Rebstöcken fühlen sich Storchschnabel und Co wohl und dank des großzügigen Nahrungsangebots die Insekten ebenso. Es summt und singt an dieser Stelle. Und wie bestellt zeigt ein Turmfalke die hohe Kunst des Fliegens und Fallenlassens. Dr. Lehr: „Wir untersuchen die Böden der so bewirtschafteten Rebflächen. Und können sagen: Die Reben leiden keinesfalls darunter.“ Wie lecker die Erzeugnisse sind, die dort gedeihen, davon konnten sich dann alle überzeugen. Denn natürlich geht es auch darum bei den Tagen der „Lebendigen Moselweinberge“: Steillagenweine verkosten; schauen, staunen, schmecken. Und erkennen, dass es ein Genuss ist, den Naturschatz zu schützen.

Die Leuchtpunkte sind vor Ort beschildert. Über einen QR-Code erhalten Besucher mithilfe des Mobiltelefons Informationen. Weitere Infos gibt es im Internet unter www.lebendige-moselweinberge.de/leuchtpunkte.html. Dort ist auch das Video zum Leuchtpunkt „Mesenicher Steinreichskäpp“ zu finden. Weitere Informationen: Martina Engelmann-Hermen, Telefon 06531-956-156, E-Mail: martina.engelmann-hermen@dlr.rlp.de; Carsten Neß, Telefon 06531-956-184,  E-Mail: carsten.ness@dlr.rlp.de.