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Damit die angehenden Medizinerinnen mobil zwischen ihrer Unterkunft und Arbeitsstätte waren und die Moselregion auch in ihrer Freizeit erkunden konnten, stellte Westenergie kostenlos ein Elektroauto und drei E-Bikes zur Verfügung.

Noch gibt es im Landkreis Bernkastel-Wittlich genug Hausärzte. Die Aussichten sind jedoch weit weniger gut: Bis 2024 werden voraussichtlich 50 Hausärzte im Kreis in den Ruhestand gehen. Nachfolger gibt es kaum. Das bedeutet für viele Patienten, dass sie entweder sehr lange Wartezeiten und Anfahrtswege in Kauf nehmen müssen oder keinen Hausarzt mehr finden. Auch Krankenhäuser haben Schwierigkeiten Ärztenachwuchs zu gewinnen, was die Versorgung im Ganzen weiter verschlechtert.

Um dem Ärztemangel zu begegnen, setzt der Landkreis ein Konzept mit mehreren Bausteinen zur Sicherung der ärztlichen Versorgung um.  So beispielsweise aktuell die Gruppenfamulatur (Famulatur = Praktikum im Medizinstudium). Angehende Ärzte müssen während des Studiums verschiedene Praktika durchlaufen. Meist geschieht dies entweder in der Nähe der Uni oder in der Nähe der eigenen Heimat um zusätzliche Kosten für Unterkunft oder Reisekosten zu sparen.

Um diese Hürde abzubauen und auch Praxen in ländlichen Räumen für Medizinstudierende attraktiv zu machen organisierte der Landkreis erstmalig eine Gruppenfamulatur für drei angehende Ärztinnen, um sie so für unsere Region und die Niederlassung als Hausarzt zu begeistern. Ziel ist eine frühzeitige Kontaktanbahnung zwischen niedergelassenen Ärzten und Nachwuchsmedizinern, um die Attraktivität der Allgemeinmedizin erlebbar zu machen und frühzeitig einen persönlichen Kontakt zu den niedergelassenen Ärzten herzustellen. In der Folge des ersten Projektes sind anknüpfende Veranstaltungen geplant. So soll der persönliche Kontakt während der gesamten Ausbildungszeit zum Facharzt aufrecht erhalten werden. Am Ende, so die Hoffnung, steht eine Begeisterung für den Landkreis und bestenfalls sogar eine Niederlassung im Landkreis.

Im Rahmen der Gruppenfamulatur organisierte der Landkreis für die drei Studentinnen eine gemeinsame Unterkunft in Kröv und übernahm die Kosten hierfür. Die Betreuung fand jeweils von einem niedergelassenen Arzt in Kröv, Wittlich und Lieser statt. Damit die angehenden Medizinerinnen zudem mobil zwischen ihrer Unterkunft und Arbeitsstätte waren und die Moselregion auch in ihrer Freizeit erkunden konnten, stellte Westenergie für die Studentinnen der Medizin kostenlos ein Elektroauto und drei E-Bikes zur Verfügung. Theresa Knod, Mitarbeiterin im Bereich der Kommunalbetreuung bei Westenergie in der Region Trier, betonte: „Als Partner der Kommunen unterstützen wir den Landkreis nicht nur bei wichtigen Infrastrukturthemen wie der Stromversorgung, der Straßenbeleuchtung und dem Ausbau von schnellem Internet. Auch bei wegweisenden Initiativen wie hier zur Bekämpfung des Arztkräftemangels leisten wir im Rahmen der Möglichkeiten von Westenergie gerne einen Beitrag.“

Die Studentinnen waren begeistert von der Gruppenfamulatur im hausärztlichen Bereich. Besonders hoben sie hervor, dass sie sehr positiv über das vielfältige Landarztleben überrascht waren. So bemerkte eine der Famulantinnen: „(…) dass ich zwischendurch Zeit hatte, mich in eine Patientenakte einzulesen und mich über die Krankheitsbilder zu informieren, hat mir sehr viel geholfen. In der Klinik hat man dafür keine Zeit und alles ist viel zu schnell dafür, dass das ein erster Einblick in die Praxis sein soll.“ Auch eine andere bewertete den fachlichen Teil durchweg positiv: „Natürlich ist in Landarztpraxen auch oft viel los und es gibt stressige Tage. Dennoch konnte man sich eigentlich immer die Zeit für die Patienten nehmen, die sie benötigen. Dadurch wird die Bindung zu den Patienten gestärkt, die Compliance erhöht und der Krankheitsverlauf kann meiner Meinung nach positiv beeinflusst werden.“

Trotzdem seien die Arbeitszeiten besser als in der Klinik und die Arbeit insgesamt weniger belastend. Auch die gemeinsame Unterkunft und die Möglichkeit ihre Erfahrungen auszutauschen trug dazu bei das Gelernte zu vertiefen und Einblicke in die Organisation der anderen Praxen zu erhalten.

Nach Aussage der Studentinnen fruchtet die Initiative. „Eigentlich hört man über die Hausarztfamulatur vor allem, dass sie langweilig sein soll, allerdings hat sich dieses Gerücht bei mir nicht mal ansatzweise bestätigt. Auch wenn ich durch meine Eltern eher den Alltag eines Arztes im Krankenhaus kenne, hat diese Hausarztfamulatur auf dem Land mein Bild eines Hausarztes deutlich verbessert. Ich habe sehr viel dazulernen können, egal ob es neue Krankheitsbilder, Sonographie/Echo oder das differentialdiagnostische Denken war. Auch die Erfahrung für einen Monat auf dem Land zu leben und zu sehen, was für Aufgaben auf einen Hausarzt zukommen, war sehr interessant für mich.“

Die Antworten zeigen deutlich, wie wichtig es ist für den Beruf des Allgemeinmediziners schon früh im Medizinstudium zu werben. Es wird aber auch deutlich, dass eine strukturelle Veränderung der Niederlassung notwendig ist. Die Antwort überrascht nicht, steht sie doch exemplarisch für viele andere Studenten: denn diese Ergebnisse liefern auch die Befragungen der Uni Trier durch Prof. Jacob: Der Medizinernachwuchs wünscht sich mehr Teamarbeit, flexiblere Gestaltungsmöglichkeiten in der Arbeitszeit und eine Entlastung von der Bürokratie.

Gut, dass der Landkreis auch hier aktiv ist und Bemühungen der aktuell praktizierenden Ärzte unterstützt zusammen zu gehen: so konnte dank der intensiven Bemühungen von Landkreis und der Gemeinde Morbach beispielsweise das aktuell im Bau befindliche Ärztehaus mit gemeinsam genutzten Räumen gegründet werden.

Auch die durch den Landkreis initiierte Gründung und Bewerbung des Weiterbildungsverbundes ist ein wichtiger Baustein um die Ausbildung von Hausärzten im Landkreis attraktiv werden zu lassen. Hierbei geht es darum das Zusammenspiel von Praxen und Krankenhäusern im Ausbildungsverlauf von Allgemeinmedizinern individuell abzustimmen und dem angehenden Arzt die Organisation zu erleichtern.

Ziel aller Bemühungen ist es jungen Nachwuchsmedizinern attraktive Arbeitsbedingungen zu ermöglichen, sei es in der Einzelpraxis, Medizinischem Versorgungszentrum (MVZ) oder in den Krankenhäusern, um die ärztliche Versorgung auf dem Land langfristig in einer guten Qualität sicherzustellen. „Die Sicherstellung der medizinischen Versorgung ist essentiell für unsere Bürger und die Zukunftsfähigkeit unseres Landkreises. Viele weitere Aktivitäten sind geplant.“ so Landrat Gregor Eibes.