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Am Samstag, den 20. September 2014 wird es am Hauptbahnhof Wittlich zur Katastrophe kommen. Ein mit circa 50 Personen besetzter Linienbus gerät beim Wenden hinter dem Bahnhof auf die Gleise und wird dort von einem vorbeifahrenden Güterzug erfasst. Dabei kippt ein mit Diesel beladener Kesselwagen des Güterzuges um und wird von einem ausfahrenden Nahverkehrszug gerammt. So jedenfalls hat Willi Herres aus Neumagen-Dhron alles geplant. Doch keine Sorge: Herres hat keine bösen Absichten, sondern ist Kreisfeuerwehrinspekteur des Landkreises Bernkastel-Wittlich und damit Chefplaner einer Übung, in der eine solche Katastrophe mit allen Beteiligten erprobt werden soll.

„Rund 500 Einsatzkräfte von Feuerwehren, Hilfsorganisationen, Technischem Hilfswerk, Polizei und der Bahn AG werden an diesem Tag im Einsatz sein, um den Ernstfall zu proben“, erläutert Herres. In Wittlich-Wengerohr soll an diesem Tag das Zusammenwirken aller beteiligten Organisationen bei der Rettung von Menschen und der technischen Hilfeleistung nach Großschadenereignissen geübt werden. Dabei liegt der Schwerpunkt der Übung auf der Lösung von eventuellen Nahtstellenproblemen und der Standardisierung bei der zukünftigen Zusammenarbeit.

Damit die Übung möglichst realistisch abläuft, hat Übungsleiter Jörg Teusch einen ausgemusterten Linienbus besorgt, der an diesem Tag Feuerwehr und Technisches Hilfswerk vor kräftezehrende Herausforderungen stellen wird. „Hier muss schweres Gerät eingesetzt werden, um an eingeklemmte Verletzte zu kommen“, verrät Teusch. Zahlreiche geschulte Verletzten-Darsteller sorgen dafür, dass auch die Lebensretter vom Deutschen Roten Kreuz und Malteser Hilfsdienst ins Schwitzen kommen. „Da sind Darsteller dabei, die können stundenlang schreien und sehr überzeugend Schmerzen simulieren. Das wird bei den Helfern für viel Stress sorgen“, ist sich der Übungsregisseur sicher. Auch die Bahn AG unterstützt die Übung und sorgt mit den entsprechenden Zügen dafür, dass das Katastrophen-Szenario komplett ist.

Seit zwei Jahren arbeitet eine Projektgruppe unter Leitung von Jörg Teusch am Drehbuch, das alle Facetten einer solchen Katastrophe beschreibt. Polizisten sorgen für Verkehrsabsperrungen, Kriminalbeamte nehmen Ermittlungen auf, Rettungshunde suchen Vermisste, ein Behandlungsplatz für Verletzte wird eingerichtet, die technische Einsatzleitung wird alle Aktionen koordinieren. Selbst der aus dem Güterzug auslaufende Diesel wird simuliert und in der Kläranlage Wittlich neutralisiert. „Schon jetzt hat die Übung durch die umfangreichen Vorbereitungen viel gebracht“, zieht Jörg Teusch Zwischenbilanz. Durch die zahlreichen Besprechungen habe man sich besser untereinander kennengelernt und wisse nun schon ziemlich genau, welche Möglichkeiten und Kenntnisse die unterschiedlichen Helfer haben. Ein wesentlicher Aspekt, damit auch im Ernstfall schnell geholfen werden kann.

Trotz aller Vorbereitungen ist die Spannung bei allen Beteiligten riesengroß. „Die Übung wird zeigen, ob die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Organisationen auch im harten Einsatz klappt. Man kann zwar vieles im Kleinen üben, aber wie belastbar unsere Strukturen sind, kann nur in der Praxis erprobt werden“, erläutert Teusch. Zusätzlich werden Fachleute aus benachbarten Kreisen und der Stadt Trier die Übung beobachten, um Fehler und Verbesserungen aufzuzeigen. Auch die Bevölkerung ist eingeladen sich die Übung anzuschauen. Der Bahnhof selbst wird während der gesamten Übung für Reisende erreichbar bleiben. Zudem informieren Durchsagen auf den Bahnhof und in durchfahrenden Zügen über die Übung.

Rund 15000 Euro stellt der Landkreis Bernkastel-Wittlich für die Übung zur Verfügung, berichtet Ralph Scheid, Leiter des Geschäftsbereichs Sicherheit und Ordnung in der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich. Geld, das gut angelegt ist, denn der Ernstfall muss geprobt sein. Nur so kann gewährleistet werden, dass bei einer hoffentlich nie eintretenden Katastrophe Menschenleben gerettet und Vermögenswerte geschützt werden können.