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Anfang September hieß es zum zweiten Mal, „Einstellungssache - Jobs für Eltern“. Die Jobcenter in Rheinland-Pfalz und dem Saarland, die von Arbeitsagentur und Kommune gemeinsam betrieben werden, boten vielfältige Aktionen an.

Im September beginnt für viele Mädchen und Jungen der „Ernst des Lebens“. Auch Kinder aus „Grundsicherungsfamilien“ werden eingeschult. Sie brauchen Vorbilder - in erster Linie die Eltern - , die ihnen vermitteln, dass Lernen und Arbeiten zum Leben gehören. Deshalb bietet der Aktionstag „Einstellungssache - Jobs für Eltern“ Frauen und Männern die Möglichkeit, sich über einen beruflichen Wiedereinstieg zu informieren.

Das Jobcenter Bernkastel-Wittlich stellt im Rahmen des Aktionstages das Projekt „OAsE“ vor. Es steht für Orientierung, Arbeitssuche, soziale Unterstützung und Eingliederung in Arbeit. Träger ist die gemeinnützige Lernen & Arbeiten GmbH in Neuwied. Finanziert wird die „OAsE“ vom Land über den Europäischen Sozialfond und vom Jobcenter Bernkastel-Wittlich.

Das Projekt bietet individuelle Unterstützung und Begleitung für arbeitslose Mütter zwischen 25 und 40 Jahren - aus dem ALG II Bereich - im Prozess der Berufsorientierung und im Übergang in eine Berufsausbildung oder Berufstätigkeit.

Zur Personengruppe der Mütter, die der Unterstützung bedürfen, zählen Alleinerziehende ebenso wie verheiratete Mütter ohne berufliche Orientierung, Ausbildung oder Perspektive sowie Berufsrückkehrerinnen nach der Elternzeit.

Im ersten Halbjahr 2014 wurden insgesamt 53 Zuweisungen an die „OAsE“ durch das Jobcenter Bernkastel-Wittlich gezählt. Die Alterspanne der Teilnehmerinnen lag zwischen 25 und 38 Jahren. Etwas über 50 Prozent der teilnehmenden Frauen kamen aus Deutschland. 48 Prozent der Teilnehmerinnen stammen zum Beispiel aus Kasachstan, der Türkei, Russland, Albanien, Ägypten, Frankreich, Polen, Thailand oder aus dem Libanon.

Die Arbeit der „OAsE“ an einem Beispiel: Bei Eintritt in das Projekt war die Teilnehmerin 35 Jahre alt, getrennt lebend und Mutter dreier Kinder. Sie verfügte über die mittlere Reife und hatte darüber hinaus eine Ausbildung zur Kauffrau im Einzelhandel erfolgreich abgeschlossen. Bei ihrer Ankunft in der „OAsE“ war für die Teilnehmerin sowohl der Wiedereintritt in den erlernten Beruf als auch eine Berufsausbildung im Pflegebereich von Interesse. Zur Betreuung ihrer Kinder konnte sie nur in Ausnahmefällen auf familiäre Unterstützung zurückgreifen, so dass im Hinblick auf die Schichtarbeiten im Pflegebereich oder die Öffnungszeiten im Einzelhandel große Herausforderungen auf sie warteten.

In der „OAsE“ wurden nun zuerst einmal die Bewerbungsunterlagen gemeinsam mit der Teilnehmerin erstellt und kontinuierlich verbessert. Die Teilnehmerin erfuhr Unterstützung beim Verfassen von konkreten Bewerbungsanschreiben durch das pädagogische Personal und bewarb sich im Zuge dessen in einem Krankenhaus und in einem Altenpflegeheim. Beide Einrichtungen luden sie zu einem Vorstellungsgespräch ein.

Die Mitarbeiterinnen in der „OAsE“ bereiteten die Teilnehmerin nun auf die Vorstellungsgespräche vor. Einerseits fanden Schulungseinheiten zu dieser Thematik statt, die sich vor allem mit häufigen Fragen und möglichen Antworten im Bewerbungsgespräch beschäftigten. Andererseits konnte auch im Einzelgespräch ein individuelles Coaching, bezogen auf die konkrete Situation der Teilnehmerin, stattfinden.

So vorbereitet meisterte die Teilnehmerin das Vorstellungsgespräch im Altenpflegeheim mit Erfolg und erhielt die Zusage für eine Stelle als Altenpflegeassistentin, sodass sie das zweite Vorstellungsgespräch erst gar nicht mehr wahrnahm. Ebenso wurde ihr zugesagt, dass sie in dem besagten Pflegeheim ab dem Jahr 2015 eine Ausbildung zur Altenpflegerin absolvieren könne.

In der Kinderbetreuung konnte erreicht werden, dass der Kindergarten für das jüngste Kind die Zeiten im Schichtbetrieb abdeckt. So erfüllte sich nicht nur der Berufswunsch der Teilnehmerin. Darüber hinaus konnte auch die Kinderbetreuung zur Zufriedenheit geregelt werden.

Dieses Beispiel ist kein Einzelfall und zeigt, dass die berufliche und soziale Integration gelingen kann. Die Teilnehmerin ist auch heute noch hoch zufrieden mit ihrem eingeschlagenen Weg. Ihre Kinder nehmen wahr, dass es normal ist, dass Eltern arbeiten und diese Arbeit zur Zufriedenheit beiträgt.

Deshalb sollten Unternehmen Eltern aus der Grundsicherung nicht aus den Augen verlieren und ihnen eine Chance zum beruflichen Neustart geben.