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Stephan Rother von der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich, Michaela Heinen vom Landesjugendamt Rheinland-Pfalz und Vanessa Schnorr von der Universität Koblenz-Landau (v.l.n.r.) gehörten zu den Experten der zweiten Kinderschutz-Netzwerkskonferenz.

„Kinderschutz geht uns alle an, Kinderschutz ist eine Daueraufgabe von uns allen“, betonte Landrätin Beate Läsch-Weber zu Beginn der zweiten Kinderschutz-Netzwerkkonferenz des Landkreises Bernkastel-Wittlich im Jugendheim St. Bernhard in Wittlich. Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer informierten sich und diskutierten über aktuelle Themen der Netzwerkarbeit „Guter Start ins Kinderleben – Erziehungskompetenz stärken!“.

Diplom-Pädagogin Vanessa Schnorr berichtete über das aktuelle Landes-Projekt „Qualitätsentwicklung im Kinderschutz in Rheinland-Pfalz“. Sie erläuterte, wie unter der Federführung von Prof. Dr. Schrapper Kinderschutzfälle aus verschiedenen Jugend​ämtern in Rheinland-Pfalz aufgearbeitet werden, um Risiken von Kindeswohlgefährdung zu vermeiden. Nach einer ersten Phase im ersten Halbjahr wolle man die gesammelten Erkenntnisse aus den Analysen in Methoden und Standards übertragen. Diese würden im zweiten Halbjahr 2010 erprobt und anschließend verbessert. Ziel der Projektarbeit sei es, die vermeidbaren Risiken bei Kindeswohlgefährdungen auszuschließen.

Fragen der Netzwerkakteure wurden von einer Expertenrunde, bestehend aus Michaela Heinen von der Servicestelle Kindesschutz des Landesjugendamtes Rheinland-Pfalz, der Referentin, Diplom-Pädagogin Vanessa Schnorr, von der Universität Koblenz-Landau, sowie Vertretern des Jugendamtes und des Gesundheitsamtes der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich beantwortet. Daneben konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch an Ständen des Gesundheitsamtes, des Jugendamtes, der Polizei und verschiedener Beratungseinrichtungen informieren.

Der Koordinator des Kinderschutz-Netzwerks im Landkreis, Diplom-Pädagoge Stephan Rother, war erfreut über die große Resonanz und aktive Beteiligung der Teilnehmer und resümierte: „Die Arbeit hat sich gelohnt, und die Teilnehmer können viel für die weitere Zusammenarbeit im Netzwerk mitnehmen.“

Nachdem in den Jahren 2008 und 2009 in einer ersten Reihe „Runder Tische“ Fragen zur „Perinatalen Phase“, dem Lebensabschnitt von der Schwangerschaft bis zu den ersten sechs Monaten eines Kindes, bearbeitet wurden, soll in einer zweiten Etappe „Runder Tische“ ab April 2010 zu den Lebensabschnitten „Bindungs- und Vorschulphase“ zusammen gearbeitet werden. So sei es laut Rother unterstützend, dass viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Kindertagesstätten ihr Interesse an der Netzwerkarbeit deutlich gemacht haben.

Dass gerade das Engagement der Netzwerkakteure zum Erfolg des Modells „Guter Start ins Kinderleben - Erziehungskompetenz sätrken“ beiträgt, zeigte Rother anhand der Ergebnisse der „Runden Tische“ zur „Perinatalen Phase“ auf. So wurden in einer Broschüre „Kinder – Wegweiser für werdende und junge Eltern im Landkreis Bernkastel-Wittlich: Schwangerschaft bis zum ersten Lebensjahr“  erstmals wichtige Informationen zusammengefasst, die mit der Informationsbündelung das Kindeswohl zusätzlich fördern. Die Broschüre wird jährlich überarbeitet und mit weiteren Ausgaben zu weiteren Lebensabschnitten ergänzt. Eine Online-Version befindet sich im Internetportal der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich (www.bernkastel-wittlich.de).

Im September 2009 wurde eine permanente Rufbereitschaft des Jugendamtes (Allgemeine Soziale Dienste) eingerichtet. Die Nummer ist bei den Polizeidienststellen und Krankenhäusern im Landkreis hinterlegt. So können Mitarbeiter des Jugendamtes rund um die Uhr bei Fragen der akuten Kindeswohlgefährdung durch die Behörden beteiligt werden.

Unter Federführung des Gesundheitsamtes fand am 26.09.2009 der Bernkastel-Wittlicher Familiengesundheitstag in Wittlich statt. Zudem informiert das Gesundheitsamt gezielt mit Broschüren zu den Früherkennungsuntersuchungen. Ergänzt wird die Aufklärung über die U-Untersuchungen durch Informationsveranstaltungen in Kindertagesstätten, die das Gesundheitsamt ab Herbst 2010 anbieten wird. Der erste Vortrag findet im Herbst in der Kindertagesstätte Jahnplatz in Wittlich statt und wird von einem Kinderarzt unterstützt. Die Vorträge werden in russischer und in türkischer Sprache übersetzt.

Seit März 2010 können Eltern regelmäßige Erziehungstipps in Form von „Elternbriefen“ des Arbeitskreises Neue Erziehung e.V. kostenfrei beziehen. Diese gibt es in 46 Ausgaben und werden zeitnah zu einzelnen Lebensabschnitten der Kinder versendet.

Die Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich organisiert am 24.09.2010 ein Tagesseminar für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der freien und öffentlichen Jugendhilfe. Susanna Lillig, Mitarbeiterin des Jugendamtes München und Autorin des Deutschen Jugendinstituts, wird zum Thema „Risikoeinschätzung bei Kindeswohlgefährdung als Herausforderung für die öffentliche und freie Jugendhilfe“ referieren.

„Insgesamt können Eltern im Landkreis Bernkastel-Wittlich nach mehr als zwei Jahren Netzwerkarbeit auf spürbare Ergebnisse zurückgreifen“, bilanzierte der Koordinator des Kinderschutz-Netzwerks, Stefan Rother und kündigte an: „Weitere Maßnahmen und Konzepte zum Schutz des Kindeswohls sowie zur Stärkung von Erziehungskompetenzen werden folgen.“