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Nach einem ersten regionalen Demografieworkshop in Alzey trafen sich Anfang Juni Vertreter der nördlichen und westlichen Landkreise und kreisfreien Städte mit Vertretern des Landes und des Statistischen Landesamtes in Wittlich, um sich über die demografische Entwicklung in Rheinland-Pfalz sowie lokale Strategien im demografischen Wandel auszutauschen. Anlass ist die Veröffentlichung der 6. regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung des Statistischen Landesamtes Ende Juni 2022.

In den regionalen Demografieworkshops tauscht sich die Landesregierung mit den Kreisen und kreisfreien Städten über die neuen Zahlen zur zukünftigen Bevölkerungsentwicklung und über Handlungsstrategien aus. Im Rahmen des Workshops in Wittlich stellten Dr. Ludwig Böckmann und Sebastian Fückel vom Statistischen Landesamt die kommenden Entwicklungen vor. Den Berechnungen zufolge wird die Bevölkerung des Landes bis 2040 insgesamt zwar noch leicht wachsen. Die regionalen Unterschiede sowie vor allem die Alterung der Bürger werden die Kommunen aber weiterhin vor große Herausforderungen stellen. So wird beispielsweise die Bevölkerung im Landkreis Vulkaneifel um etwa drei Prozent zurückgehen, während der benachbarte Eifelkreis Bitburg-Prüm noch mit einem Zuwachs von fast fünf Prozent rechnen kann. Betrachtet man die Prognose auf Ebene der einzelnen Verbandsgemeinden ergeben sich hier beachtliche Unterschiede - auch innerhalb eines Landkreises. Beispielsweise nimmt die Bevölkerung im Westerwaldkreis in der Vorausberechnung insgesamt zu. Allerdings werden lediglich drei von zehn Verbandsgemeinden mit Zuwächsen rechnen können, während in den anderen ein Bevölkerungsverlust prognostiziert wird.

Auch im Hinblick auf die Alterung ergeben sich auf Ebene der Verbandsgemeinden beachtliche Unterschiede. Während in allen Verbandsgemeinden in der Region die Zahl der 65-Jährigen und Älteren zum Teil erheblich zunehmen wird, in der Spitze in der verbandsfreien Gemeinde Grafschaft sogar um über 65 Prozent, gibt es in Bad Neuenahr-Ahrweiler den Sonderfall, dass hier der Anteil bis 2040 sogar leicht rückläufig ist.

Zu den Ergebnissen erklärte Landrat Gregor Eibes: „Die Parallelität von Wachsen und Schrumpfen fällt immer deutlicher ins Auge und findet immer kleinräumiger statt. Der demografische Wandel beinhaltet nicht nur und nicht ausschließlich einen Rückgang und eine Alterung der Bevölkerung. Kleinräumig findet nach wie vor Wachstum statt und regionale wie transnationale Wanderungsbewegungen beeinflussen die Altersstruktur. Folglich braucht es sehr individuelle Strategien und Maßnahmen, um dem demografischen Wandel zu begegnen. Diese können keinesfalls nur auf die Kreis- oder Verbandsgemeindeebene beschränkt sein, sondern müssen auch die Ortsebene in den Blick nehmen. Die Menschen vor Ort bei dem Thema mitzunehmen: Das versuchen wir mit unseren zahlreichen Maßnahmen, so zum Beispiel beim Zukunftscheck Dorf oder beim Wettbewerb Zuhause alt werden. Angesichts der vorgelegten Zahlen gilt es, unsere zahlreichen Bestrebungen zur Sicherung und Steigerung der Lebensqualität in unseren Städten und Dörfern weiterzuführen und auszubauen. Dörfer und Städte, in denen die Menschen gerne leben und sie aktiv ihren Lebensraum gestalten, sind auch dem demografischen Wandel gewachsen. Sie bieten Menschen aller Generationen und Lebenslagen ein Zuhause.“

Im Anschluss stellten sich Projekte und Maßnahmen vor, die im Landkreis Bernkastel-Wittlich die, mit dem Wandel verbundenen Herausforderungen aktiv gestalten. Um der steigenden Alterung zu begegnen, gibt es beispielsweise den Ideenwettbewerb „Zu Hause alt werden“, der 2021/2022 bereits zum neunten Mal ausgetragen wurde. Auch die Digitalisierung spielt eine wichtige Rolle im demografischen Wandel des Landkreises. So wird mit einem „Smarten Dorfgemeinschaftshaus“ im Rahmen des Modellvorhabens „Smarte.Land.Regionen“ ein lebendiger, multifunktionaler Ort etabliert, dessen Kernelement ein Coworking Space bildet und somit auch für kleine Gemeinden eine große Chance darstellt.

Es wurde auch aufgezeigt, welche Unterstützungsmöglichkeiten für die Kommunen das Land anbieten kann. Vorgestellt wurden unter anderem die Gemeindeschwesterplus, die Digitalbotschafter oder das Projekt WohnPunkt RLP. Kernelement hierbei ist die Demografiestrategie des Landes, die bereits vor zehn Jahren erstellt wurde. Kennzeichnend für die Strategie in der aktuellen Legislaturperiode sind zwei neue Schwerpunkte: „Gemeinsam für alle Generationen“ und „Gemeinsam für unsere Regionen“. Hierzu sagte Sozialminister Alexander Schweitzer „Mit diesen beiden Schwerpunkten reagieren wir auf die Herausforderungen und koordinieren Maßnahmen in allen Ministerien. Eine entscheidende Rolle nimmt hierbei für uns die Digitalisierung ein, mit deren Hilfe wir das Zusammenleben in Rheinland-Pfalz für Menschen aller Generationen in allen Teilen des Landes noch besser gestalten können.“ Mit Blick auf die Workshops merkte er an: „Die Vernetzung der kommunalen Verwaltungen untereinander, sich über bewährte Projekte und Maßnahmen auszutauschen, die enge Zusammenarbeit mit der Landesregierung – das sind wichtige Bausteine, mit denen wir die Herausforderungen des demografischen Wandels gemeinsam angehen und gestalten. Unser Ziel ist es, gleichwertige Lebensverhältnisse und attraktive Regionen in Rheinland-Pfalz zu erhalten.“

In einer abschließenden Besprechung diskutierten die Ansprechpartner aus den Landkreisen und Städten über aktuelle Maßnahmen und Projekte in ihren jeweiligen Regionen. Dabei wurde deutlich, dass die regionalen Strategien und die Landesstrategie noch enger vernetzt werden sollten. Das Land bietet für die Entwicklung regionaler Demografiestrategien eine eigene Landesförderung an. Kreise, Städte und Verbandsgemeinden können für die Entwicklung ihrer Strategie bis zu 5000 Euro Landesförderung erhalten.

Mehr zu den Ergebnissen der sechsten Bevölkerungsvorausberechnung finden Interessierte auf den Seiten des Statistischen Landesamtes www.statistik.rlp.de/de/publikationen/analysen/demografische-entwicklung/. Mehr Informationen zur Demografiestrategie des Landes Rheinland-Pfalz können unter www.Demografie.rlp.de abgerufen werden.