Zur Navigation springen Zum Inhalt springen

David Sieveking liest aus seinem Buch

Vergiss mein nicht – das war die Lieblingsblume von Margarete Sieveking, genannt Gretel. So heißt aber auch der preisgekrönte Dokumentarfilm, den David Sieveking über seine demenzkranke Mutter drehte. Diesen Film und das gleichnamige Buch stellte er während der Bibliothekstage in der Stadt- und Kreisergänzungsbücherei Wittlich einem interessierten Publikum vor. Trotz des ernsten Themas hatte der Abend durchaus auch amüsante Momente. Viele Leute hätten sich auf den Lesungen und Filmvorführungen nicht getraut zu lachen – so Sieveking. Dabei war die Zeit von Gretels Erkrankung auch die lustigste Zeit im Leben der Familie und Lachen war für die humorvolle Frau stets eine Wohltat.

Sieveking beginnt seinen lebendigen Vortrag mit den ersten Anzeichen der Krankheit, als noch niemand eine Demenz bei Gretel vermutete. Sie alleine bemerkte, dass irgendetwas nicht in Ordnung war und befürchtete schon sehr früh, an Alzheimer zu erkranken. Sie bemühte sich daraufhin um verschiedene Arzttermine, doch auch Alzheimer-Spezialisten konnten keine Demenz bei ihr feststellen. Zu perfekt überspielte die in den 1970er-Jahren politisch und sozial engagierte Intellektuelle ihre Defizite und auch im Kopfrechnen steckte sie so manchen Arzt in die Tasche.

Mit dem unaufhaltsamen Fortschreiten der Krankheit beschloss David Sieveking, sein Berufs- mit dem Familienleben zu verbinden und einen Film über seine Mutter zu drehen. Er zog für einige Monate wieder zu Hause ein und löste sich mit seinem Vater bei der Pflege ab. Mit großer Offenheit berichtet er von der Verzweiflung über Gretels sich stets verschlechternden Zustand, über die Ärgernisse, wie zum Beispiel den Papierkrieg mit der Pflegekasse und das ständig gehetzte Pflegepersonal.

Aber auch die schönen Momente sparte er nicht aus. So schweißte diese schwere Zeit die ganze Familie zusammen wie nie zuvor und Sieveking konnte zum ersten Mal seine Gefühle gegenüber Gretel ausdrücken. Die eher rationale Beziehung der Eltern erlebte einen gravierenden Wandel und sie gestanden sich nun offen ihre Liebe, auch wenn Gretel ihren Mann nicht mehr erkannte. „Eigentlich bin ich der Demenz dankbar. Dafür, dass ich die Liebe neu entdeckt und erkannt habe, wie schön es ist, für jemanden da zu sein“. Mit diesen berührenden Worten seines Vaters beendete Sieveking den Abend und signierte im Anschluss Bücher und Filme für das Publikum.