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Kulturjournalistin Eva-Maria Reuther

Zur Ausstellungseröffnung im Wittlicher Kreishaus berichtete die Kulturjournalistin Eva-Maria Reuther über ihre Begegnungen mit Werner Seippel.

Im November wäre er 90 Jahre alt geworden. Als Werner Seippel 1999 plötzlich starb, war sein Tod ein herber Verlust für die regionale Kunstszene. Zwei Ausstellungen im Kreishaus Wittlich und etwas später in der Akademie Kues erinnern an den verdienten Galeristen und eindrucksvollen Künstler. Im Kreishaus sind Malerei und Grafik, in der Akademie Aquarelle zu sehen.

Nein wirklich, ein bequemer Zeitgenosse, der handliche Meinungen zum stromlinienförmigen Bewusstsein trug, war er nicht. Wenn Werner Seippel so richtig in Wallung kam, war das wie ein Vulkanausbruch. Ein Urgestein war der Maler und Galerist, das tief im Innern brodelte und jeden Moment zu explodieren drohte. Meistens geschah das wegen der Kunst. Denn die blieb zeitlebens die große Leidenschaft des kräftigen Mannes mit dem entschlossenen Kinn und den funkelnden Augen, über denen zwei Stirnfalten Sturmgefahr signalisierten. Für die Kunst lebte der Seippel und für ihre Sache stand er nicht an, unerschrocken zu streiten. So raubeinig er bisweilen daherkam, in seinem Innern verbarg sich eine ungeahnt empfindsame Seele, deren Farben er auf seine Leinwände und in seine Aquarelle transportierte.

Viel hat der welterfahrene Frankfurter für die Kunstszene seiner moselländischen Wahlheimat getan. Als Galerist der Traben-Trarbacher Brückenschenke und später im Cusanus Geburtshaus in Bernkastel-Kues ist er unvergessen. Als Maler und Grafiker hat er unzählige Wände nicht nur hierzulande eindrucksvoll bestückt. Zahllose Schüler der Realschulen in Wittlich und Bernkastel-Kues verdanken seiner eigenen Begeisterung ihren Zugang zur Kunst. Ganz abgesehen von den vielen erwachsenen Schülern, die Jahr für Jahr seine Aquarell-Kurse bevölkerten.

„Der Werner war mit Leib und Seele Künstler und Galerist“, bestätigt seine Witwe Ursula. An die Mosel kam Seippel der Liebe wegen. Aus Traben- Trarbach stammte seine zweite Frau, eben jene Ursula. Zusammen mit ihr übernahm er dort 1967 das Torhaus der Brücke. Als Zentrum für gleichermaßen qualitätvollen Kunst- wie Weingenuss machte sich die neue Galerie bereits nach kurzer Zeit einen überregionalen Namen. Schon vorher hatte Seippel in seiner Heimatstadt am Main eine Galerie geleitet. Die Seippels verstanden es, der Region Kunstfenster zu öffnen. Große Namen wie Otto Dix, Salvador Dali, Marc Chagall oder A. Paul Weber waren mit ihren Werken bei ihnen zu Gast. Aber immer wieder wurden auch Künstler der Region gezeigt und gefördert. 1980 übernahm das Ehepaar das restaurierte Cusanus Geburtshaus. Angefangen hatte die nie endende Liebe zur Kunst in den 30er Jahren, als Seippel in Offenbach und München studierte und sich zudem als Bühnenbildner ausbilden ließ. Der eigentliche Funke sprang über, als es den Soldaten nach Frankreich verschlug und Seippel zum ersten Mal der im Nazi Deutschland verfemten modernen französischen Kunst gegenüberstand. Seippels frühe Werke sind jener französischen Moderne verpflichtet.

In der Welt herumzukommen, sich stets neue Horizonte zu erschließen, blieb eine andere große Leidenschaft des Künstlers. Hinreißende Reiseaquarelle verschickte er bis zuletzt aus den entlegensten Teilen der Welt. Das Aquarell war ohnehin Seippels intimstes malerisches Ausdrucksmittel. In ihm verdichtet sich sein ganzes Sehen und Fühlen. Zeitlebens blieb Seippel ein eindrucksvoller gegenständlicher Maler. „Ich hänge am Gegenstand“, bekannte er einmal. So aufgeschlossen er für Neues war, so unbestechlich erkannte sein scharfer Blick, was Kunstmoden und -maschen waren. Und dann ging‘s richtig los - siehe oben.  

Kreishaus Wittlich: Malerei und Grafik : 28. September bis 9. November. Öffnungszeiten: Mo bis Do 7 bis 18 Uhr, Freitag 7 bis 15 Uhr, Telefon 06571/140.  

Akademie Kues: Bernkastel-Kues, Aquarelle: 19. bis 27. November. Öffnungszeiten: Mo bis Fr 9 bis 12.30 Uhr und 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung, Telefon 06531/ 96950. Eröffnung: Sonntag, 18. November, 11 Uhr.   (Autorin: Eva-Maria Reuther, Wittlich; Quelle: Trierischer Volksfreund, 25.09.2007)