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Eva-Maria Büch vom Wittlicher Sozialplanungsbüro „transfer – Unternehmen für soziale Innovation“ präsentierte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Teilhabekonferenz die Ergebnisse der bisherigen Arbeitskreise.

Eva-Maria Büch vom Wittlicher Sozialplanungsbüro „transfer – Unternehmen für soziale Innovation“ präsentierte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Teilhabekonferenz die Ergebnisse der bisherigen Arbeitskreise.

 

Zwei große Projekte, in denen Betroffene, Profis und ehrenamtlich Tätige gemeinsam an einem Strang ziehen,  stehen derzeit auf der Agenda des Landkreises: „Zu Hause alt werden“ und die „Teilhabeplanung für Menschen mit Behinderungen“. Vor einigen Wochen fand bereits zum Projekt „Zu Hause alt werden“ eine Zukunftskonferenz mit über 100 Beteiligten statt, nun hatte Landrätin Beate Läsch-Weber zu einer weiteren Zukunftskonferenz zur Teilhabeplanung in die Räume der ehemaligen Dualen Oberschule in Wittlich-Wengerohr eingeladen. Wieder war die Resonanz sehr groß, die Landrätin konnte über 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus dem Kreis der Betroffenen, der Leiter/Innen und Elternvertreter/Innen der Schulen mit Förderschwerpunkten und der integrativen Kindertagesstätten, der Mitglieder der Heimbeiräte der Wohnheime beziehungsweise Werkstattbeiräte der Werkstatt für behinderte Menschen, der Vertreterinnen und Vertretern der Einrichtungen und Dienste sowie der Mitglieder der Selbsthilfegruppen und ehrenamtlich und hauptamtlich Tätigen begrüßen. Mitglieder des Beirates für Menschen mit Behinderungen und ihr Vorsitzender Hermann-Josef Hauth sowie Mitglieder des Seniorenbeirates mit Günter Schneider als Vorsitzender waren der Einladung ebenfalls gefolgt. Das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen wurde vertreten durch Thomas Eberle.

Das Recht auf Teilhabe ist ein Menschenrecht

Landrätin Läsch-Weber ging in ihrer Eröffnungsrede auf das Recht auf volle gesellschaftliche Teilhabe, festgeschrieben in der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen sowie das Landesgesetz zur Herstellung gleichwertiger Lebensbedingungen für Menschen mit Behinderungen ein. „Ich träume von einem Landkreis, in dem alle Menschen gleiche Möglichkeiten haben, ihr Leben selbstbestimmt führen zu können“, so die Landrätin. Der Satz „Behindert ist man nicht, behindert wird man“ verdeutliche das Anliegen der UN-Konvention. Daher sei es ein zentrales Anliegen des Landkreises, die Teilhabe, Gleichstellung und Selbstbestimmung behinderter Mitbürgerinnen und Mitbürger zu verwirklichen.

„Die heutige Zukunftskonferenz soll insbesondere den Betroffenen die Gelegenheit geben, die Ist-Situation zu bewerten, Ziele für die Zukunft zu entwickeln und konkrete Handlungsschritte zu erarbeiten“, lud die Landrätin die Anwesenden zur Mitarbeit ein.

Die Ergebnisse der bisherigen Arbeitskreise wurden von Eva-Maria Büch vom Sozialplanungsbüro „transfer – Unternehmen für soziale Innovation“, Wittlich, dargestellt. Das externe Beratungsbüro war mit der Teilhabeplanung vom Kreistag im Dezember 2008  beauftragt worden.  Seit April hatte es insgesamt zwanzig Arbeitskreistreffen gegeben, die unter großer Beteiligung der Betroffenen, der Mitarbeitenden der Einrichtungen sowie interessierter Bürgerinnen und Bürger durchgeführt wurden. Daneben wurden in  Expertentreffen mit dem Beirat für Menschen mit Behinderungen, der Psychosozialen Arbeitsgemeinschaft, den Teilhabekonferenzen und dem Fachausschuss der WfbM abgehalten. Experteninterviews unter anderem mit dem Sozialdienst der WfbM, der psychiatrischen Abteilung des Verbundkrankenhauses, der Verwaltung sowie Eltern und Betreuern von schwerbehinderten Menschen vervollständigten das Bild der örtlichen Situation. In einem weiteren Schritt  wurde in einer schriftlichen Befragung die Lage der Menschen mit Behinderung erhoben, die bei ihren Familien leben, auch die Angehörigen wurden befragt. Insgesamt seien bereits viele Anregungen von Betroffenen in die Erstellung der Teilhabeplanung eingeflossen.

UN-Konvention als Leitfaden

In der Zukunftskonferenz wurden am Vormittag zunächst in Gruppen zu den Themen „Arbeit“, „Mobilität“, „Beratung“, „Pflege“, „Wohnen“, Öffentlichkeitsarbeit, „Tagesstruktur/ Freizeit“ und „Bedarfsermittlung/ Teilhabeplanung“  übergeordnete Ziele und Visionen zu den einzelnen Themen erarbeitet, die anschließend im Plenum vorgestellt wurden. Leitfaden dabei waren die entsprechenden Artikel der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. So äußerte ein Teilnehmer: „Jeder sollte wohnen, wo er will und mit wem er will“, dies sei aber nur möglich, wenn es endlich die gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber Menschen mit Behinderungen gebe. Dies betreffe auch den Bereich Ausbildung und Arbeit, hier wurden ausreichend Arbeitsplätze auf dem 1. Arbeitsmarkt eingefordert. Am Beispiel Mobilität trat zu Tage, wie groß die Schwierigkeiten gerade für Menschen mit Behinderung in einer ländlichen Region sind, auf unkomplizierten Weg von A nach B zu kommen.

Kleine Schritte – große Wirkung

Am Nachmittag widmete man sich in zahlreichen kleineren Arbeitsgruppen der Frage, wie einzelne Aspekte der Visionen konkret umgesetzt werden können, und welche Schritte notwendig sind, um die Ziele tatsächlich in den kommenden Jahren zu erreichen. In der abschließenden Präsentation der Ergebnisse wurde deutlich, dass insbesondere das Feld Beratung und Öffentlichkeitsarbeit eine zentrale Rolle spielt. Um Nachfrage und Angebot zusammenzuführen, bedürfe es einer Koordination, die sich die Teilnehmenden sowohl institutionell, zum Beispiel bei der Kreisverwaltung, vorstellen können als auch im Rahmen eines niedrigschwelligen Angebots wie zum Beispiel einem Café oder einer ähnlichen Begegnungsstätte.

Viele Vorschläge zeichneten sich durch ihre Konkretheit aus. Auch bei der Präsentation der Arbeitsgruppenergebnisse zog sich eine Erkenntnis wie ein roter Faden durch die Beiträge: „Es geht nicht um die physikalische Bausubstanz, Stichwort:  barrierefrei, es geht um die Barrieren in den Köpfen“, wie es ein Teilnehmer ausdrückte.

Empfehlungen an den Kreistag

Zum Abschluss der Veranstaltung zeichnete Eva-Maria Büch den weiteren Weg des Projektes auf: Ende Oktober wird transfer der Kreisverwaltung den Bericht über die Erhebungen der letzten sechs Monate vorlegen, in dem auch sämtliche Ergebnisse der Arbeitskreise, der Expertentreffen, der Befragungen und der Zukunftskonferenz einfließen werden. Der Bericht wird Empfehlungen enthalten, über die dann letztlich der Kreistag als politisches Gremium beschließen muss.

Mit dem Dank Büchs  und der Landrätin an die große Zahl der Teilnehmenden an der Zukunftskonferenz, besonders an die zahlreichen Betroffenen als „Experten in eigener Sache“, schloss die Versammlung. Mit der Bewirtung der Gäste und dem Catering war im Übrigen an diesem Tag der Integrationsbetrieb des DRK, Divendo, beauftragt worden.