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Blauzungenkrankheit erreicht Rheinland-Pfalz

In einem Rinderbestand im Landkreis Trier-Saarburg ist die Blauzungenkrankheit vom Serotyp 8 (BTV-8) nachgewiesen worden. Das teilt das Landesuntersuchungsamtes (LUA) mit. Das Ergebnis wurde am 11. Januar 2019 durch das Nationale Referenzlabor am Friedrich-Loeffler-Institut bestätigt. Es ist der erste Nachweis dieser Tierseuche im Land seit Mai 2009. Sie befällt vor allem Schafe und Rinder, ist für den Menschen aber ungefährlich.

Das Gesamte LAND RHEINLAND-PFALZ ist seit dem 15.01.2019 SPERRGEBIET.

Damit unterliegen sämtliche empfängliche Tierarten wie Rinder, Schafe, Ziegen, Kameliden, Alpakas und Gatterwild sowie deren Sperma, Eizellen und Embryonen in Rheinland-Pfalz den innerstaatlichen und EU-Verbringungsbestimmungen zur Blauzungenkrankheit. Dies betrifft sowohl das Verbringen innerhalb des Sperrgebiets als auch das innerstaatliche Verbringen in freie Gebiete sowie das Verbringen in andere Mitgliedstaaten und Drittstaaten.

Das Restriktionsgebiet muss mindestens zwei Jahre aufrechterhalten werden.

Die bereits bestehende Tierseuchenrechtliche Anordnung des Landesuntersuchungsamtes (LUA) zum Schutz gegen die Blauzungenkrankheit vom 18.12.2018 wurde an die aktuelle Situation angepasst.

Demnach muss jeder, der im Sperrgebiet für das Virus der Blauzungenkrankheit empfängliche Tiere hält - also alle Wiederkäuerarten wie z. B. Rinder, Schafe, Ziegen, Neuweltkameliden und Wildwiederkäuer in Gehegen - dies unverzüglich dem Veterinäramt der Kreisverwaltung mitteilen, sofern noch nicht geschehen. Hierzu kann der vom Veterinäramt des Landkreises zur Verfügung gestellte Meldevordruck verwendet werden.

Für den Menschen sowie für Hunde, Katzen und Pferde besteht keinerlei Gefahr.

Auch wenn der aktuelle Seuchenzug nur mit wenig ausgeprägten Krankheitsanzeichen einhergeht, sind diese oder der Verdacht darauf ebenfalls sofort beim Veterinäramt anzuzeigen. Schafe können gering bis stark ausgeprägte Symptome zeigen, bei Rindern und Ziegen verläuft die Erkrankung meist ohne eindeutig erkennbare Krankheitsanzeichen. Mögliche Symptome können sein: Fieber, Apathie, Zyanosen (Blaufärbung), Geschwüre und Nekrosen in Haut und Maulschleimhaut, an Lippen, Flotzmaul, Zitzen und Euter sowie an den Gliedmaßen mit eventuell einhergehender Lahmheit.

Die Blauzungenkrankheit (Bluetongue disease - BT) ist eine virusbedingte, seuchenhaft auftretende, Saison-gebundene, hauptsächlich akut verlaufende Krankheit der Schafe und Rinder, die durch stechende Mücken, sogenannte Gnitzen (Größe 1-3mm), übertragen wird. Daneben sind auch Ziegen, Neuweltkameliden und Wildwiederkäuer für die BT empfänglich.. Der Erreger der Blauzungenkrankheit ist für den Menschen nicht gefährlich. Fleisch und Milchprodukte können ohne Bedenken verzehrt werden.

Empfängliche Tiere dürfen grundsätzlich nicht aus dem Sperrgebiet in restriktionsfreie Gebiete verbracht werden. Dies gilt auch für Samen, Eizellen oder Embryonen. Ausnahmen sind möglich.

Zur Umsetzung dieser Bestimmungen haben sich Bund und Länder beim Verbringen der Tiere auf folgende Vorgehensweise verständigt:

1. Verbringen empfänglicher Tiere innerhalb des Sperrgebietes innerhalb Deutschlands:

Für das Verbringen von Zucht- und Nutztieren als auch von Schlachttieren gilt ergänzend zur Allgemeinverfügung folgendes:

Das Verbringen nicht geimpfter oder untersuchter empfänglicher Tiere innerhalb von Rheinland-Pfalz ist ohne behördliche Genehmigung zulässig, sofern für die Verbringung die als Anlage angefügte „Tierhaltererklärung Sperrgebiet" von dem/der Tierhalter/in des Herkunftsbestandes ausgefüllt wird und den Transport der Tiere begleitet.

Der Tierhalter des Herkunftsbestands bescheinigt, dass das/die zu verbringende/n Tier/e frei von Anzeichen der Blauzungenkrankheit ist/sind. Das Transportunternehmen prüft vor dem Verladen der Tiere, ob diese gesund sind bzw. keine Krankheitssymptome aufweisen, die auf die Blauzungenkrankheit hinweisen.

2. Verbringen empfänglicher Tiere aus dem Sperrgebiet in freie Gebiete innerhalb Deutschlands:

Für das Verbringen empfänglicher Tiere aus dem Sperrgebiet in freie Gebiete innerhalb Deutschlands sind folgende Optionen mit dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft und den anderen Bundesländern abgestimmt:

 

Option zu verbringende Tiere

Option zu verbringende Tiere

Option zu verbringende Tiere

1

Geimpfte Tiere ab einem Alter von drei Monaten

-       Grundimmunisierung nach Angaben des Impfstoffherstellers gegen BTV-8 mit Eintragung in HIT

-       Wiederholungsimpfungen gegen BTV-8 mit Eintragung in HIT wurden jeweils innerhalb von einem Jahr durchgeführt

-       Einhaltung von mind. 60 Tage Wartezeit nach Abschluss der Grundimmunisierung vor dem Verbringen

-       Bestätigung HIT-Ausdruck Impfung bzw. Tierhaltererklärung Schaf/Ziege

2

Geimpfte Tiere ab

einem Alter von drei

Monaten

-       Grundimmunisierung nach Angaben d. Impfstoffherstellers gegen BTV-8 mit Eintragung in HIT

-       Nach 35 Tagen Wartezeit nach Abschluss der Grundimmunisierung negative virologische Untersuchung der zu verbringenden Tiere mittels PCR (aus EDTA-Blut)

-       Bestätigung HIT-Ausdruck Impfung und LUA Untersuchungsbefund bzw. Tierhaltererklärung Schaf/Ziege

3

Kälber bis zum Alter von

drei Monaten von

geimpften Kühen mit

Biestmilchverabreichung

-       Grundimmunisierung der Mutterkuh nach Angaben des Impfstoffherstellers gegen BTV-8 mit Eintragung in HIT, wobei diese vier Wochen vor dem Abkalben abgeschlossen sein muss

-       Wiederholungsimpfungen gegen BTV-8 mit Eintragung in HIT wurden jeweils innerhalb von einem Jahr durchgeführt

-       Das Kalb muss innerhalb der ersten Lebensstunden Kolostralmilch der Mutter erhalten

-       Bestätigung dieser Voraussetzungen durch den Tierhalter durch „Tierhaltererklärung Kälber

4

Zucht- / Nutztiere ohne

gültigen Impfschutz

(Diese Regelung gilt vorläufig nur bis zum 30.06.2019)

-       negative Untersuchung auf BTV-8 mittels PCR (aus EDTA-Blut) innerhalb von sieben Tagen vor dem Verbringen; Eintragung des negativen Untersuchungsergebnisses in HIT durch das Untersuchungsamt

-       Behandlung mit Repellent vom Zeitpunkt der Blutprobenentnahme bis zum Verbringen nach Herstellerangaben

-       handschriftliche Bestätigung des Tierhalters auf dem Untersuchungsbefund für PCR-Untersuchung, dass die Repellentbehandlung durchgeführt wurde

 

Schlachttiere ohne

gültigen Impfschutz

-       Tiere werden ausschließlich zum Schlachten verbracht

-       Bestätigung des Freiseins von Anzeichen der Blauzungenkrankheit durch den Tierhalter mittels „Tierhaltererklärung Schlachttiere“, die dem amtlichen Tierarzt am Schlachthof zu übergeben ist

 

Für die weiteren in Artikel 8 Absatz 1 Buchstabe a i. V. m. Anhang III der VO (EG) Nr. 1266/2007 geregelten Ausnahmemöglichkeiten zum Verbringungsverbot aus dem Sperrgebiet fehlen derzeit die Voraussetzungen. Die ausgefüllte Tierhaltererklärung ist bei Schlachttieren bei der Ankunft der Tiere am Schlachthof dem amtlichen Tierarzt sowie bei Zucht- und Nutztieren dem Tierhalter am Bestimmungsort zu übergeben.

Diese bewahren die Tierhaltererklärung mindestens 5 Jahre auf und sind verpflichtet, diese der zuständigen Behörde auf Verlangen vorzulegen.

3. Verbringen empfänglicher Tiere aus dem Sperrgebiet in andere EU-Mitgliedstaaten und Drittstaaten:

Das innergemeinschaftliche Verbringen empfänglicher Tiere aus dem Sperrgebiet in andere Staaten innerhalb der EU wird durch die VO (EG) Nr. 1266/2007 geregelt. Für Verbringungen in andere EU-Mitgliedstaaten und Drittstaaten wenden Sie sich bitte an die zuständige amtliche Tierärztin Frau Bastgen beim hiesigen Veterinäramt

 

Verbringungen in die Niederlande

Am 12.03.2019 wurde zwischen Deutschland und den Niederlanden ein Memorandum geschlossen. Seitdem ist es möglich unter 90 Tage alte Kälber aus der deutschen Blauzungen-BTV-8-Restriktionszone in die Niederlande zu verbringen. Folgende Vorrausetzungen müssen für die Verbringung erfüllt sein:

  • negative Untersuchung auf BTV-8 mittels PCR (aus EDTA-Blut) innerhalb von sieben Tagen vor dem Verbringen; Eintragung des negativen Untersuchungsergebnisses in HIT durch das Untersuchungsamt
  • Behandlung mit Repellent vom Zeitpunkt der Blutprobenentnahme bis zum Verbringen nach Herstellerangaben (Dosierung beachten) und Bestätigung der Behandlung mittels der „Tierhaltererklärung-Niederlande“
  • Ausfüllen und amtliche Bestätigung, durch das für den Transport verantwortliche Veterinäramt, der „Ergänzenden Gesundheitsbescheinigung für den Versand von Kälbern“
  • TRACES-Eingabe durch das, für die Verbringung zuständige, Veterinäramt

 

Impfung schützt Tiere

Eine Impfung empfänglicher Tiere gegen die Blauzungenkrankheit ist zu empfehlen, da sie einen Schutz vor der Erkrankung bietet und den Transport von Tieren aus dem Restriktionsgebiet erleichtert. Die Kosten der Impfung trägt der Tierhalter.

Derzeit existieren mehrere in Deutschland zugelassene BTV-8-Impfstoffe für Rinder und Schafe. Für Ziegen kann der Impfstoff vom Tierarzt umgewidmet werden. Die Impfung darf nur von Tierärzten durchgeführt werden. Wer seinen Bestand gegen den aktuell grassierenden Serotyp 8 des Blauzungen-Virus schützen lassen möchte, wendet sich an seinen Hoftierarzt. Damit Tiere als geimpft gelten, muss die Impfung im Herkunftssicherungs- und Informationssystem für Tiere (HI-Tier) dokumentiert werden.

Hintergrund:

Die Blauzungenkrankheit ist eine virusbedingte Infektion insbesondere der Rinder und Schafe. Bei Schafen kann die Krankheit akut verlaufen, während sie bei Rindern in der Regel ohne oder nur mit milden Krankheitssymptomen verläuft. Ziegen, Neuweltkameliden (z.B. Lamas oder Alpakas) und Wildwiederkäuer sind ebenfalls empfänglich. Das Virus wird über kleine, blutsaugende Mücken (Gnitzen) zwischen empfänglichen Tieren übertragen. Menschen können sich nicht anstecken.

Nachdem Deutschland in den Jahren 2006-2009 von der Blauzungenkrankheit betroffen war, war es von 2012 bis Dezember 2018 offiziell frei von dieser Tierseuche.

Für den Menschen ist die BT nicht gefährlich. Auch der Verzehr von Fleisch und Milch erkrankter Tiere ist für den Menschen ungefährlich, allerdings dürfen das Fleisch und die Milch erkrankter Tiere nicht als Lebensmittel in Verkehr gebracht werden. (Mueef Rheinland-Pfalz)

Einfuhrsperre

Die Ukraine hat die Einfuhr von Tieren, die anfällig sind für die Blauzungenkrankheit, sowie von deren genetischen Material aus der Bundesrepublik Deutschland verboten. Weitere Einfuhrsperren von Drittländern aufgrund der Blauzungenkrankheit in Deutschland werden vermutlich folgen.

Weitere Informationen zum Ausbruch der Blauzungenkrankheit in Rheinland-Pfalz finden Sie auch auf der Internetseite des Landesuntersuchungsamtes https://lua.rlp.de/de/unsere-themen/lexikon/lexikon-b/blauzungenkrankheit/